Klassik Slam 2019 : Sieben Minuten um das Publikum zu überzeugen

Das Blechbläserquintett Abo Brass tritt beim Klassik Slam 2019 an. Der lauteste Applaus bestimmt den Gewinner, für den es eine Studioaufnahme beim RBB gibt.

Jakob Bauer
Hoher Luftverbrauch. Andrzej Jacher, Stefan Ostermeyer, Ralf Hörstgen, Maria Schmaling und Sven Erichsen (v.l.).
Hoher Luftverbrauch. Andrzej Jacher, Stefan Ostermeyer, Ralf Hörstgen, Maria Schmaling und Sven Erichsen (v.l.).Foto: Dietmar Herriger

Rude et très rhythmé. Derb und sehr rhythmisch will es Georges Bizet, wenn Escamillo auftritt. Der berühmte Torero-Marsch aus Bizets Oper „Carmen“ präsentiert den leidenschaftlichen Stierkämpfer mit einem Selbstbewusstsein bis zur Überheblichkeit.

Wie gut die Nummer auch in kleiner Besetzung und ohne Gesang funktionieren kann, beweisen die Musiker von Abo Brass. Im großen Sendesaal des RBB präsentiert das Blechbläserquintett den Matador am Sonntag mit goldglitzerndem Klang.

Die fünf Musiker an zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba proben an diesem Abend für ihren großen Auftritt. Sie sind eines von sechs Ensembles, die sich für den Klassik Slam 2019 qualifiziert haben. Der Klassik Slam ist kein Wettbewerb für Profimusiker. Auf der Bühne des Heimathafens stehen Menschen, für die Musik Begeisterung neben dem Beruf ist.

„Bei unserem Wettbewerb geht es auch darum, die Qualität und Vielfältigkeit der Berliner Hausmusikszene aus dem Schatten zu holen“, erläutert RBB-Redakteur Andreas Göbel, der als Juror auf der Bühne sitzen wird. Der Klassik Slam findet zum dritten Mal seit November 2017 statt.

Der Musikwettbewerb orientiert sich an Poetry-Slams

Die Musiker von Abo Brass sind im Alltag Lehrerin, Student oder Architekt. Kennengelernt haben sie sich im Abonnentenorchester des Deutschen Symphonie-Orchesters. „Wir hatten schon öfter die Idee, musikalisch etwas zu unternehmen“, sagt Hornist Andrzej Jacher. „Musik verbindet, und ein Bläserquintett macht einfach unglaublich viel Spaß.“

Abonnenten-Orchester und Brass (englisch für Blechbläser): Fertig war der Name Abo Brass. Seit Anfang dieses Jahres spielen die fünf nun zusammen. Schnell kam die Idee auf, sich für den Klassik Slam zu bewerben. „Das Format ist schön und einfach mal was völlig anderes“, meint Trompeter Ralf Hörstgen.

[Klassik Slam am Sonntag, den 24.11., um 19 Uhr im Heimathafen Neukölln (derzeit ausverkauft)]

Der Klassik Slam lehnt sich an die Poetry-Slams an. Neben dem technischen Können muss vor allem die Performance überzeugen: In maximal sieben Minuten „müssen sie das Publikum mitnehmen“, sagt Andreas Göbel. Er und seine Kollegen werden eine kleine Einschätzung geben, die Gewinner bestimmt das Publikum. Dem lautesten Applaus winkt eine Albumaufnahme in den Studios des RBB.

Ein weiterer Anreiz: Musiker des DSO bereiten die Ensembles vor. Im Fall von Abo Brass fiel die Wahl auf Heinz Radzischewski, den Solo-Trompeter und langjährigen Dirigenten des DSO-Abonnentenorchesters. Seit September treffen sich Radzischewski und seine fünf Abonnenten nun auch im kleinen Kreis.

Bizet, Wagner und Denza

Neben Bizets Stierkämpfer-Arie spielen Abo Brass Arrangements des Pilgerchors aus Wagners „Tannhäuser“ und Luigi Denzas „Funiculì, Funiculà“. Bei der Auswahl haben die Musiker vor allem auf drei Punkte geachtet: „Es muss den Blechbläsersound haben, soll unser technisches Können zeigen und natürlich ein gewisses Augenzwinkern beinhalten“, wie Ralf Hörstgen sagt.

Tatsächlich hat das Programm seine Tücken. Die sphärischen Akkordgebäude aus dem „Tannhäuser“ erfordern intonatorische Präzision und genaues Zusammenspiel, Denzas flirrende Volksliedvertonung nötigt die Posaune zu akrobatischen Sprints.

Bei der Probe knappe eineinhalb Wochen vor dem Auftritt sind die fünf aber schon beim Feintuning angekommen. Bizet kommt zackig und knackig, bei Wagner zeigen die Musiker ihr dynamisches Potenzial in den leisen Registern. „Super macht ihr das!“, bescheinigt ihnen Radzischewski.

Viel Konkurrenz

Neben dem Musikalischen diskutieren die fünf auch den Auftritt an sich. Sie reichern die Stücke mit Gags an und überlegen sich eine Dramaturgie. Dabei ist den Musikern wichtig, dass die Späße nicht zu Lasten der Musik gehen.

Die Konkurrenz im Heimathafen Neukölln ist vielfältig. Das Quintett Quintibia etwa präsentiert Musik auf der Blockflöte, das Duo Plan On! mit Gesang und Klavier zeigt Lieder des 20. Jahrhunderts. Saxonoras spielt mit gleich 14 Saxofonen.

Kann Abo Brass bei einer solchen Konkurrenz gewinnen? Dozent Heinz Radzischewski drückt sich diplomatisch aus: „Ich wünsche jedem den Sieg. Aber natürlich wäre es schön, wenn es für meine Truppe funktionieren würde.“ Auch die Musiker von Abo Brass geben sich fair. Und Ralf Hörstgen ergänzt: „Auf jeden Fall haben wir einen Mordsspaß.“

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