Klaus Völker zum 80. Geburtstag : Der unermüdliche Privatgelehrte

Lieber als auf akademischen Bänken verbrachte Klaus Völker seine Tage in Galerien und Theatern. Dem Dramaturgen und Theaterhistoriker zum 80.

Klaus Völker (2. von links) erhält 2004 den Hessischen Kulturpreis.
Klaus Völker (2. von links) erhält 2004 den Hessischen Kulturpreis.Foto: Werner Baum dpa/picture-alliance

Noch immer ist er ein unermüdlicher Theatergänger, und das nicht allein in Berlin und etwa nur bei den angesagten Premieren der großen Häuser. Klaus Völker sucht auch auf vermeintlichen Nebenschauplätzen, auf Werkstatt- und Probebühnen nach Talenten, Überraschungen, nach dem Glück der dramatischen Anverwandlung von Texten durch Regisseure und Schauspieler. Wobei er die Texte, die Poesie oft vermisst im gegenwärtigen deutschsprachigen Theater – denn von der literarischen Avantgarde kommt er her und sieht sie auch im Licht der neuen Medien noch längst nicht als künstlerische Nachhut.

Klaus Völker, der heute in Berlin-Schöneberg seinen 80. Geburtstag feiert, gehört zu den musischen Intellektuellen und Hochgebildeten, die nie einen akademischen Abschluss gemacht haben. Ihn nie gebraucht haben, obwohl Völker in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main und später in Berlin durchaus Literatur- und Kunstgeschichte nebst Philosophie studiert hatte. Aber lieber als auf akademischen Bänken hat der Sohn eines Friseurs schon früh seine Tage und Nächte in Kunstgalerien, Antiquariaten und Theatern verbracht.

Als er mit kaum zwanzig als Student im Frankfurter Studiotheater „Neue Bühne“ 1958 selbst die Hauptrolle in der Uraufführung eines absurden Stücks namens „Beritten hin und zurück“ spielte, sei der Autor eigens per Anhalter aus Paris angereist, erzählt Völker. Der Autor, der alsbald mit seinem ersten Roman berühmt werden sollte, hieß Günter Grass.

Er war nie der Mann der schnellen Moden

Mitte der 1970er Jahre sind wir uns erstmals begegnet, auf der Frankfurter Buchmesse. Damals war ich im Hanser Verlag als Lektor für Film- und Theaterbücher zuständig, und Klaus Völker veröffentlichte bei Hanser gerade seine Brecht-Biografie, die lange als Standardwerk zu Leben und Werk des großen B. B. galt. Klaus Völker war zu jener Zeit Dramaturg beim Schauspieldirektor Hans Hollmann in Basel und trug schon leicht dandyhaft seinen bunten Seidenschal, als das noch keine Kulturmännermode war. Aber er, der in Berlin am Schillertheater Dramaturg bei Hans Lietzau und Boy Gobert war, jahrelang den Stückemarkt beim Theatertreffen leitete und von 1993 bis 2005 als Rektor der Berliner Schauspielschule Ernst Busch amtierte, er war nie ein Mann der schnellen Moden. Klaus Völker („hört die Signale“, hieß es in der Branche) ist mit seinem immensen Wissen vielmehr ein ungemein lebendiger Kulturhistoriker.

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Und ein unermüdlicher Entdecker. Die besten Bücher über das Theatergenie Fritz Kortner, über die wunderbare Schauspielerin Elisabeth Bergner, den von Völker wiederentdeckten und mit einer Gesamtausgabe gewürdigten (Exil-)Dichter Max Hermann-Neiße oder über den französischen Poeten Boris Vian, sie stammen von ihm. Ebenso wie die von Völker mitübersetzte Vian-Werkausgabe und die Übertragungen des surreal sonderbaren Raymond Roussel. Und das bitte noch lange weiter so, wir danken es ihm!

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