Köln : U-Bahn und Tankstellen als Ausstellungsorte

In 22 ungewöhnlichen Stationen führt die erste Ausstellung der "Europäischen Kunsthalle Köln" von Freitag an quer durch die Domstadt.

Köln - Unter dem Titel "Modelle für Morgen: Köln" präsentieren bis zum 28. April 21 internationale Künstler ihre Werke an öffentlichen Orten vom Kaufhaus über Banken und U-Bahn-Stationen bis hin zur Tankstelle. Zu sehen sind unter "Visionen und Modelle" zunächst Architektur und Nutzungskonzepte der "Kunsthalle", wie eine Sprecherin erklärte. Besonderheit des "Hauses": Es handelt sich um eine Einrichtung ohne eigenes Gebäude.

2004 war die "Kunsthalle" als Projekt von prominenten Kölner Kulturschaffenden wie der Künstlerin Rosemarie Trockel und dem Museumsleiter Kasper König und deren Verein "Das Loch" ins Leben gerufen worden. Seitdem will sie als alternatives Unternehmen virtuell das berühmte "Kölner Loch" schließen. Diese Endlos-Baulücke war 2002 durch den umstrittenen Abriss der traditionsreichen Josef- Haubrich-Kunsthalle im Zentrum der Stadt entstanden. Wegen seiner vorgesehenen kommerziellen Nutzung geriet auch der anstelle des ehemaligen Museums geplante Neubau eines Kulturzentrums in die Kritik.

"Ganz großes Kino"

Wie eine Anspielung auf hochfliegende Pläne mutet die Arbeit von Tobias Rehberger auf dem Kunstparcours an. Seine vier, im Selbstbedienungs-Restaurant des Warenhauses Kaufhof präsentierten Tafeln sprechen mit Text und Skizzen eine reduzierte Sprache. Ihre Erscheinung aber ist auf Hochglanz getrimmt und preist im Werbe-Jargon Pavillon-Entwürfe für die "Europäische Kunsthalle" an: "Kleines, großes oder ganz großes Kino".

"Sonstwo" siedelt der US-Amerikaner Lawrence Weiner das neue Kölner Projekt für Gegenwartskunst an. Der renommierte Konzeptkünstler addiert in einem U-Bahnhof zwei Rechtecke als Symbole für den Ausstellungsort und kommentiert lapidar: "Put wheresoever" ("Wo auch immer errichtet"). Ebenso beiläufig wirkt die Arbeit des Rotterdamer Künstlerduos Bik van der Pol. Ihr an einer Tankstelle angebrachter Text verkündet die Botschaft: "Ideas you believe are absurd, ultimately lead to success" - auch Ideen, die absurd erscheinen, werden den Künstlern zufolge also letztlich erfolgreich sein.

Auf der Kunsttour begegnet dem Betrachter auch das karge, zwischen Geldautomaten angesiedelte "One of Many" von Karl Holmqvist. Der Schwede spielt mit einer Ein-Euro-Münze als "Einer von Vielen" auf das Europäische im Namen der Kunsthalle an. Im Hotel Hilton zeigt die Dänin Pia Ronickes drei Filme zum Thema Architektur. Deren Utopien erzählen vor allem von einer avantgardistischen Gestalt und Nutzung von Gebäuden. (Von Antje Lorscheider, dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar