Kollegah und Farid Bang : Platin ist schon wieder Morgen

Unbeugsam, unverbesserlich, märtyrerhaft: Farid Bang und Kollegah stehen mit "Platin war gestern" wieder auf Platz eins der Album-Charts.

Die Rapper Kollegah und Farid Bang im April bei der Echo-Verleihung
Die Rapper Kollegah und Farid Bang im April bei der Echo-VerleihungFoto: Jörg Carstensen/dpa-bildfunk

Nun stehen die Deutschrapper Farid Bang und Kollegah also wieder auf Platz eins der deutschen Albumcharts mit ihrem neuen Album „Platin war gestern“. Das haben sie auf ihrem Label Banger Musik veröffentlicht, ganz ohne Vertriebshilfe des einstigen Kooperationspartners BMG – dafür vorab beworben mit einem Video zu dem Stück „In die Unendlichkeit“, das mit der Zerstörung ihrere Echo-Trophäen endet. Eigentlich sollte ihr drittes „Jung, Brutal und Gutaussehend“-Album ihr letztes gemeinsames sein, zumindest offiziell. Doch diese Vorlage mussten sie einfach verwerten: den Echo-Eklat, die Verleihung des Echos an sie trotz antisemitscher Lyrics, das Ende des Musikpreises im Anschluss daran.

Der rote Faden von „Platin war gestern“ ist natürlich das ganze Echo-Drumherum. Zu schlicht dräuenden Beats wollen Kollegah und Farid Bang „als letzte Echo-Gewinner der Rap-Geschichte“ das letzte Wort in dieser Angelegenheit haben. Das klingt dann so: „Wir zwei sind ein Bündnis for life, der Körper klar definiert/Im Gegensatz zu euerm Verständnis von Künstlerfreiheit“. So: „Scheiß drauf was die Masse denkt/Ich gebe keinen Fick auf die Artikel“. Oder, als die eigene Erzählung, wie es sich vor und beim Echo zugetragen haben soll: „,Ihr könnt kommen’, meinte das Echo-Jury-Team/Doch haltet den Ball dafür flach wie bei Flat- Earth-Theorien“. Und später: „Die Weste nicht weiß, die Welt unser Feind/Sie wollten uns brechen und bekämpften den Hype.“

Farid Bang und Kollegah sind jung, brutal und unverbesserlich

Mit ihrer Mischung aus Unbeugsamkeit und Märtyrertum sind Farid Bang und Kollegah weit von der Einsicht entfernt, dass sie mit den Texten ihres Platin-Albums Grenzen überschritten haben könnten. Lieber pochen sie auf ihre ureigene Künstlerfreiheit. Allein gegen die Welt stehen und auf Masse und Massen „scheißen“. Jung, brutal – und unverbesserlich.

Nur ist die Masse, die sie gut findet, so klein nicht, die vielen Kids, die aus allen Schichten stammen. Der Erfolg von „Platin war gestern“ bestätigt, wie viele Menschen sich so gar nicht an den ja auch homophoben, sexistischen, brutalen und künstlerisch nur so semiguten Texten stören. Und, klar, dass der deutsche Gangster-Rap weiterhin die Musik zur Zeit ist. Was man auch daran sieht, dass der ebenfalls bei Banger Musik unter Vertrag stehende Summer Cem mit „Endstufe“ oder der in Sibirien geborene und im ostukrainischen Dnipropetrowsk aufgewachsene Capital Bra mit „Berlin lebt“ genauso oben in den Albumcharts stehen, mit Farid Bang als Gastsänger. „Ah, sie wollen unsere Karrieren beenden/Doch wir stehen und kämpfen, bis wir gehn’ als Legenden“ rappt Farid Bang im Auftaktsong von „Platin war gestern“ in bester Märtyrermanier. Doch der Echo-Skandal hat ihrer Karriere noch einen Schub gegeben. Von Kampf kann keine Rede sein. Platin ist wieder morgen.

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