Kolumne Feste feiern (6) : Richtig in Feierlaune kommen ist schwerer als gedacht

So viele Feiertage in so kurzer Zeit gibt’s nur einmal im Jahr, nämlich jetzt. Ein guter Anlass, das Feiern selbst abzufeiern, im Allgemeinen wie im Besonderen.

Manche kommen durch Feuerwerk in Silvesterfeierlaune - wie hier in Hamburg.
Manche kommen durch Feuerwerk in Silvesterfeierlaune - wie hier in Hamburg.Foto: Angelika Warmuth/dpa

Und jetzt aber: O du fröhliche...! Als Kind habe ich mich sehr darüber gewundert, wie die Erwachsenen ihre Stimmung wechseln konnten. Heiligabend zum Beispiel. Den ganzen Tag Hektik und manchmal auch Streit über das Aufstellen des Weihnachtsbaums und dann plötzlich: feierlich, still, mit glänzenden Augen. Volle Kehrtwende.

Das ging mir zu schnell, da kam ich nicht mit. Wie sie in Feierlaune kamen. Oder andersherum: Nach der Beerdigung meiner Großmutter gab es einen Leichenschmaus – das Wort schon hat mir Angst gemacht, isst man da Tote mit der Torte? Alle still und betroffen, im Raum hängt eine tiefe Schwärze, und im nächsten Moment plappern die Großen mit vollem Mund los und greifen zum Glas, während ich Zehnjähriger noch versuche, angemessen zu trauern.

Erwachsene sind Schauspieler

Diese abrupten Wechsel ließen mich an der Ernsthaftigkeit und Autorität von Eltern und Onkeln und Tanten zweifeln. Die waren nicht echt, die machten sich selbst und der Welt etwas vor. Ich müsste im Grunde dankbar dafür sein. Mir wurden die Augen geöffnet: Erwachsene sind Schauspieler, mehr oder weniger gute.

Nun, leider habe ich kein großes Talent darin entwickelt, auf Feierlaune umzuschalten. Wenn es Krach gibt, dann gibt es Krach. Das lässt sich doch nicht so einfach wegwischen, oder? Deshalb streite ich nicht gern, weil es schwer ist, aus einer Stimmung herauszukommen und in eine andere Laune zu springen, so wie man das Hemd wechselt oder sich die Hände wäscht.

Zu Silvester stellt sich wieder die Frage: Wie kommt man richtig drauf? Manchmal hilft die Knallerei und Böllerei draußen, das beständige Krachen in dieser an sich ruhigen Zeit baut Spannung auf. Silvesterfeierlaune hat aber das bereits beschriebene Problem, dass man an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Zustand sein soll. Jubel, Trubel, Trunkenheit. Und jetzt alle: happy!

Zur Feierlaune gehört Vorfreude

Wie wird es diesmal? Feiern mit Freunden, zuhause oder im Restaurant, auf eine Silvesterparty gehen ... Täusche ich mich oder gibt es tatsächlich immer weniger Hauspartys zum Jahresende? Oder werden wir bloß nicht eingeladen?

Zur Feierlaune gehört eine Vorfreude, ein Vorglühen. So wie einem angenehmen Dinner ein passendes Mittagessen vorausgehen sollte. Damit man weder übersatt noch ausgehungert ankommt. Ich merke schon: Wir fangen langsam an, auf die letzte Mitternacht des Jahres 2018 einzuschwenken. Das Vorspiel läuft. Es könnte klappen ...

Bisher erschienen: der Feiertag (24.12.), der Feierabend (27.12.), die Betriebsfeier (28.12.), die Familienfeier (29.12.) und das Feierschwein (30.12.).

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