Konzert in der Gedächtniskirche : Gezwitscher im Oktogon

Brahms, Beethoven, Bartók: Die neugegründeten Festspiele Mark Brandenburg geben ein sinnliches Gastspiel in Berlin.

Jakob Wittmann
Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die Sanierung der Gedächtniskirche kostet rund 33 Millionen Euro.
Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Die Sanierung der Gedächtniskirche kostet rund 33 Millionen Euro.Foto: picture alliance/dpa

Kunstvoller Kontrast: inmitten der Ku’dammhektik des Breitscheidplatzes wirkt das Innere der Neuen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche an diesem Abend wie ein Raumschiff. Das Licht ist gedämpft; allein das blaues Schimmern der Glasfassade erhellt den Raum. Neben dem Gemurmel der Gäste ist Gezwitscher aus allen Ecken des Oktogons zu hören. Plötzlich wird der Vogelgesang plastischer. Das Publikum verstummt. Köpfe wenden sich, Arme hängen über Lehnen. Hinter den Stuhlreihen haben sich Streicher im Dunkeln positioniert, ganz in schwarz, und stimmen durch kurzes Streichen und Anschlagen der Saiten in das Naturkonzert ein. Mit langsamen Schritten tragen sie Ihre Mimesis durch die Zuschauergänge nach vorn und lenken dabei die Blicke auf eine Leinwand. Dort zu sehen: nebelverhangene Seen und Wälder, die Schönheit Brandenburgs.

So wohlinszeniert präsentieren sich die landesgeförderten Festspiele Mark Brandenburg beim einzigen Berlinkonzert ihrer ersten Spielzeit. Manuel Denger, Kreativdirektor, Intendant und Dirigent, setzt dabei auf die Kraft des Unkonventionellen und hat, neben namhaften Nachwuchssolisten, mit Jonas Urbat einen Klang- und Konzeptkünstler engagiert, der dem klassischen Konzertprogramm mit Naturaufnahmen diese cineastische Wendung gibt.

Der Effekt wirkt, denn als Violinist Tobias Feldmann im Scheinwerferlicht zum ersten Solo in Bartóks Rumänischen Volkstänzen ansetzt, hat man sich schon längst bereitwillig von der Stadt auf das Land entführen lassen.

Unprätentiöse Begleitung

Dem temporeichen Auftakt, von dem jungen Residenzorchester Mark Brandenburg fokussiert und unprätentiös begleitet, schließt sich dann auch Gabriel Schwabe mit seinem über 400 Jahre alten Violoncello an. Die beiden Streichsolisten harmonieren während des kurzweiligen Konzerts leidenschaftlich gut. Für Beethovens Tripelkonzert op. 56 in C-Dur und Brahms' Sinfonie Nr. 1 op. 68 in c-Moll komplettiert dann die deutsch-griechische Pianistin Danae Dörken das Überfliegertrio, welches sich mit jugendlicher Leichtigkeit durch den kammermusikalischen Kanon spielt – mal verträumt miteinander, mal im Duell technischer Fertigkeit. Den akustischen Besonderheiten des Raumes, die den Klang subtil entrücken lassen, stellt Dörken dabei ihre elegante Leichtigkeit entgegen.

Dass der Raum nur etwa zur Hälfte gefüllt ist, ist bedauerlich – schmälert aber nicht den positiven Eindruck einer frischen und zukunftsbejahenden Interpretation bekannter Werke. Einen weniger intimen Rahmen haben eine Besetzung und eine Inszenierung wie diese jedoch allemal verdient.

 

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