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Kosslick-Nachfolger : Carlo Chatrian soll neuer Berlinale-Chef werden

Der Berlinale-Nachfolger von Dieter Kosslick steht offenbar fest. Es soll der Filmpublizist und Festivalleiter Carlo Chatrian werden. Der Aufsichtsrat muss dem Vorschlag der Findungskommission noch zustimmen.

Ist Carlo Chatrian, hier beim Festival im schweizerischen Locarno, der neue Berlinale-Direktor?
Ist Carlo Chatrian, hier beim Festival im schweizerischen Locarno, der neue Berlinale-Direktor?Foto: Urs Flueeler/KEYSTONE/dpa

An diesem Freitag, den 22. Juni, tagt der Aufsichtsrat der KBB (Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin); um 14 Uhr soll die Entscheidung über die Nachfolge von Berlinale-Chef Dieter Kosslick im Martin-Gropius-Ban bekanntgegeben werden. Die "B.Z." meldet jetzt unter Hinweis auf Kreise des zuständigen Aufsichtsrats, dass Carlo Chatrian der neue Berlinale-Chef wird. Der Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wollte den Bericht am Dienstagabend nicht kommentieren. Die Berufung werde am Freitag vom Aufsichtsrat bekanntgeben, sagte er auf Anfrage.

Chatrian, 1971 in Turin in Italien geboren, leitet seit 2012 das erfolgreiche Arthouse-Publikumsfestival von Locarno in der Schweiz. Von Haus aus ist Chatrian Filmpublizist, seit 2002 arbeitet er für Festivals. 2017 hatte er "Zeit Online" gesagt, dass ihm das Showtalent abgehe und er nicht glaube, für die Berlinale geeignet zu sein. Beim publikumsträchtigen Piazza-Programm hatte er keine glückliche Hand, aber die Qualität des Locarno-Wettbewerbs hat Chatrian seit dem Amtsantritt vor sechs Jahren deutlich gesteigert. Dort lief zum Beispiel der philippinische Meisterregisseur Lav Diaz, bevor die ganz großen Festivals ihn ins Hauptprogramm nahmen.

Der 46-jährige Italiener soll laut "B.Z." noch in diesem Jahr nach Berlin kommen. Kosslicks Vertrag endet im Mai 2019.

Wer wird sein Nachfolger? Dieter Kosslick richtet 2019 zum letzten Mal die Berlinale aus.
Wer wird sein Nachfolger? Dieter Kosslick richtet 2019 zum letzten Mal die Berlinale aus.Foto: dpa

Als Findungsgremium firmieren Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), die auch Aufsichtsratsvorsitzende ist, Björn Böhning – als ehemaliger Berliner Senatskanzleichef – und Mariette Rissenbeek, Geschäftsführerin von Geman Films und zudem Aufsichtsratsmitglied sitzt. Das Trio ließ sich seit Januar von rund einem Dutzend Expertinnen und Experten aus der Film- und Medienbranche beraten und führte auch Gespräche mit Berlinale-Mitarbeitern, es habe sich um "sehr konstruktive Dialoge" gehandelt, heißt es.

Der Aufsichtsrat muss dem Vorschlag noch zustimmen. Bislang waren keine Namen von Kandidaten genannt worden, die Beteiligten bewahrten Stillschweigen. Es galt aber als wahrscheinlich, dass es sich um einen festivalerfahrenen Kandidaten oder Kandidatin aus dem europäischen Ausland handelt.

Grütters hatte sich zuletzt für eine Arbeitsteilung zwischen künstlerischer Direktion und Geschäftsleitung ausgesprochen, wie es bei anderen großen Festivals üblich ist. Am Freitag sollen beide Personalien verkündet werden, die Frisch-Berufenen werden sich kurz äußern.

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Der Vertrag von Dieter Kosslick, seit 1. Mai 2001 im Amt, endet im Mai nächsten Jahres. Seine letzte Berlinale wird Kosslick von 7. bis 17. Februar 2019 ausrichten. Im Winter war es nach einem offenen Brief von 79 Kulturschaffenden zu einer leidenschaftlichen Debatte um die Zukunft der Berlinale gekommen. Offen bleibt zudem vorerst die Frage der künftigen Leitung des Forums, nachdem Forumschef Christoph Terhechte überraschend seinen Abschied zum 1. Juli bekanntgab. 2019 wird die Reihe interimistisch von den Leiterinnen des Arsenal-Instituts organisiert, unter dessen Dach das Forum veranstaltet wird.

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