Kraftwerk bei Lollapalooza : Willkommen im Klub

Kraftwerk sind nicht der Kraftklub - und warum die Düsseldorfer Elektronik-Pop-Helden auf dem Lollapalooza-Festival in Berlin genau richtig sind.

Kraftwerk vor ein paar Tagen, am 18. Februar 2018, bei einem Auftritt im lettischen Riga.
Kraftwerk vor ein paar Tagen, am 18. Februar 2018, bei einem Auftritt im lettischen Riga.Foto: REUTERS

Die Reporterin eines öffentlich-rechtlichen Berliner Jugendradio-Senders war Ende Januar irritiert, als in Los Angeles die Grammys verliehen worden waren und sie auch über den Grammy an eine deutsche Band etwas sagen sollte. Kraftklub, verhaspelte sie sich zunächst, um sich wohl schon während des Verhaspelns darüber zu wundern, wie das denn passieren konnte. Ein Grammy für die Chemnitzer Indierockband Kraftklub? Immerhin kam die vermutlich sehr junge Kollegin noch rechtzeitig auf den Namen Kraftwerk – und bezeichnete diese nicht ganz falsch als „deutsche Dance- und Elektronikband“, die einen Grammy in der Kategorie „Bestes Dance-/Electronica-Album“ bekommen hatte, für ihr Live- und Audioaufnahmen-Boxset „3 D – Der Katalog“.

Auch Kraftwerk machen immer und immer und immer weiter

Wer heute jung ist, dürfte bei lediglich oberflächlichem Popmusikinteresse durchaus Probleme mit genaueren Kenntnissen über Kraftwerk haben. Die Düsseldorfer Band gibt es seit den siebziger Jahren, und seit knapp zwanzig Jahren macht sie eigentlich nichts anderes mehr als Gesamtwerkverwaltung und Gesamtwerkinszenierung, so wie zuletzt 2015 mit acht aufeinanderfolgenden, alle (offiziellen) Kraftwerk-Alben präsentierenden Auftritten in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Futuristische Ästhetik hin, wegweisende Elektronik her, Legende hin, Legenden doof finden her: Wie alle in Pop und Rock machen auch Kraftwerk immer weiter. So darf man ihre Show demnächst auf dem kommenden Lollapalooza-Festival im September auf dem Gelände des Olympiastadions und des Olympia-Parks bewundern. Ausgerechnet bei Lollapalooza? Das mögen sich so manche fragen, wohl wissend, dass allein die Lollapalooza-Idee nicht mehr die frischeste ist und aus den neunziger Jahren stammt.

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Kraftwerk wiederum sind seit Jahrzehnten gern gesehene Open-Air-Festival-Gäste, sei es mit Auftritten im dänischen Roskilde oder im englischen Glastonbury, und so dürften bei Lollapalooza auch Imagine-Dragons-Fans oder die von The Weekend oder Casper potenzielle Popwissenslücken schließen. Und Kraftclub? Kommen leider nicht zum Lollapalooza 2018 (warum eigentlich nicht?) – und werden, jede Wette, niemals einen Grammy gewinnen.

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