Fünf Wohnungen stehen für Stipendiaten zur Verfügung

Seite 2 von 3
Künstlerkolonie Tarabya : Ein Traum, eine Brücke
Der Dichter Gerhard Falkner in der Künstlerkolonie Tarabya.
Der Dichter Gerhard Falkner in der Künstlerkolonie Tarabya.Foto: Jim Rakete

Ein wenig hat es gedauert, aber jetzt ist klar, woran das alles hier erinnert. Die helle, luftige Architektur reflektiert nicht nur den Stil der hölzernen Bosporusvillen, sondern auch den legeren Luxus der zur gleichen Zeit erbauten wilhelminischen Sommerfrischen in den „Kaiserbädern“ auf der Ostseeinsel Usedom.

„Es ist der richtige Ort zur richtigen Zeit“, sagt Falkner. Istanbul zieht Künstler so magisch an wie New York in den Achtzigern. In der 18-Millionen-Stadt weitet sich die europäische Zentralperspektive, verändert sich der Blick auf die eigene Kultur, die auch hier Wurzeln hat – und Zukunft. Gehört die Türkei in die EU, oder haben Brüssel und Berlin mit ihrer zögerlichen Haltung den Anschluss an die neuen geopolitischen Verhältnisse schon verpasst?

Die schwierige Geschichte der Akademie von Tarabya ist ein Spiegel dieser Unsicherheit, gar Abkapselung. Während sich der frühere Außenminister Frank-Walter Steinmeier stets für die Idee begeistert hat, war das Auswärtige Amt unter FDP-Führung lange Zeit nicht erpicht auf eine Künstlerkolonie. Erst im Juni 2012 hat der Bundestag die Mittel freigegeben und den Weg nach Tarabya geebnet. Momentan stehen fünf Wohnungen für Stipendiaten zur Verfügung. Weitere Gebäude bieten sich zum Ausbau an, für einen Veranstaltungsraum, eine türkisch-deutsche Begegnungsstätte.

Betreut wird das große Kleinod vom Goethe-Institut in Istanbul. Die Leiterin Claudia Hahn-Raabe, seit acht Jahren in der Türkei, hat hingebungsvolle Aufbauarbeit geleistet, den politischen Rangeleien und Eifersüchteleien in Berlin zum Trotz. Noch atmet der Künstlerort den Geruch des Neuen, Experimentellen, das macht den Charme aus. Speziell ist auch das Auswahlverfahren. Man kann sich, anders als bei der Villa Massimo in Rom, nicht bewerben für Tarabya. Die Stipendiaten werden von einer Jury nominiert. Ihr gehören die Schauspielerin Sibel Kekili, die Theaterleiterin Shermin Langhoff, der Komponist Wolfgang Rihm, der Kurator David Elliott und als Vorsitzender Joachim Sartorius an, der Schriftsteller und frühere Intendant der Berliner Festspiele.

Istanbul ist die Stadt der Brücken, zwischen Stadtteilen und Kontinenten. Tarabya ist eine ähnliche Aufgabe zugedacht. „Der Austausch der Kulturen wird durch eine Vernetzung der Kulturschaffenden mit der kulturellen Szene vor Ort gefördert“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung vom Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut. Darauf versteht sich Claudia Hahn-Raabe bestens. Allerdings wird sie turnusmäßig Ende des Jahres Istanbul verlassen, Richtung Lissabon.

Vor drei Wochen ist Jim Rakete eingetroffen. Einst hat er mit seiner Kamera das Gesicht der deutschen Rockmusik geprägt, war Manager und Produzent der Neuen Deutschen Welle, von Nina Hagen bis Nena. Heute träumt der Fotograf von einem Museum für Fotografie und Malerei in Berlin, nach dem Vorbild der Londoner National Portrait Gallery. Über sein Projekt für die Zeit am Bosporus verrät er nicht viel. Er will schreiben, auf keinen Fall jedoch seine Autobiografie.

Seite 2 von 3 Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!