Kulturerbe-Gipfel : Ein Gefühl für Europa

Der europäische Kulturerbe-Gipfel tagt noch bis Sonntag in Berlin. Autoren, Denkmalschützer und Kulturpolitiker fordern zu mehr Engagement auf.

Gruppenbild mit Damen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Europäischen Autoren-Gipfels".
Gruppenbild mit Damen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Europäischen Autoren-Gipfels".Foto: dpa/obs/Bertelsmann SE & Co. KGaA/Bertelsmann SE & Co. KGaA

„Wenn Europa gefährdet ist, rücken die Menschen zusammen und verteidigen sich“, sagte die portugiesische Schriftstellerin Hélia Correia beim Europäischen Autoren-Gipfel im Rahmen des European Cultural Heritage Summit, der noch bis 24. Juni in Berlin stattfindet. Dass die Kultur und das Kulturerbe helfen können, Europa emotional erfahrbar zu machen, hat der Kulturerbe-Gipfel gezeigt. 1500 Gäste haben auf über 100 Veranstaltungen diskutiert, von den jungen ehrenamtlichen Denkmalschützern bis zu Vertretern der EU und der Nationalstaaten. Dass Europa mehr ist als eine Wirtschafts- und Interessengemeinschaft, unterstreicht der „Berlin Call for Action“, den am Abend die Vertreter von Europa Nostra, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK) unterzeichnen. Dieser Aufruf kann danach von jedem Bürger im Internet unterzeichnet werden, um die Europäische Kommission und das Europäische Parlament aufzufordern, mehr für das Kulturerbe auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu tun und um Netzwerke über Grenzen hinweg zu ermöglichen. „Das Kulturerbe muss finanziell abgesichert werden für ein bürgernahes Europa“, sagte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch, gleichzeitig Präsidentin des DNK. Der „Berlin Call“ soll Druck machen angesichts der bevorstehenden Budgetverhandlungen für die Periode 2021 bis 2027. Und er soll angesichts der Europawahlen 2019 die Bürger mobiliseren, sich für Europa und sein Erbe zu engagieren.

Tibor Navracsics, EU-Kommissar für Kultur, zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, das Budget für das Programm „Kreatives Europa“ um 25 Prozent aufzustocken und das des Erasmus-Programms zu verdoppeln. „Für die Entwicklung einer europäischen Identität müssen wir die lokalen Ebenen und Gemeinschaften stärken. Das Erbe ist eine Quelle der Inspiration und Innovation und daher auch wirtschaftlich relevant.“ Und er hoffe, dass durch einen größeren Einsatz für die Kultur in Europa Ost und West einander näherkämen.

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