• Kulturtipps für Corona-Zeiten: Was machen wir heute? Streaming-Vorschläge für den Freitag

Kulturtipps für Corona-Zeiten : Was machen wir heute? Streaming-Vorschläge für den Freitag

Museen, Theater, Clubs, alles geschlossen? Tipps für digitale Kulturflaneure: Heute besuchen wir das Montreux Jazz Festival und singen getrennt gemeinsam.

Elton John 2019 auf dem Montreux Jazz Festival
Elton John 2019 auf dem Montreux Jazz FestivalFoto: Lionel Flusin

Freitag, 3. April

Pop-Tipp

Aus gegebenem Anlass stellt das Montreux Jazz Festival 56 komplette Konzertaufzeichnungen aus seiner über 50-jährigen Geschichte kostenlos ins Netz. Der Name des Festivals suggeriert eine programmatische Ausrichtung, die bei den sommerlichen Feierlichkeiten am Genfer See in Wirklichkeit kaum eine Rolle spielte. Dementsprechend sind in dem Gratispaket Auftritte so unterschiedlicher Künstler*innen wie Nina Simone, Marvin Gaye, James Brown, Johnny Cash, Quincy Jones, Deep Purple, Talk Talk, Etta James, Lou Reed, Mike Oldfield, Patti Smith und vielen anderen mehr. Sogar Herbert Grönemeyer war 2012 dort zu Gast. Reichlich Stoff für lange Konzertabende in der heimischen Corona-Klausur.

Theater-Tipp

"Stay at home - BE at home": Das Berliner Ensemble streamt jede Woche eine Produktion aus der jüngsten Vergangenheit. "Spielplanwechsel" ist immer Freitag. Ab heute also, 18 Uhr, haben User eine Woche lang Zugriff auf die Aufzeichnung von "Die Parallelwelt". Regisseur Kay Voges ließ die Produktion gleichzeitig im Berliner Ensemble und im Schauspiel Dortmund stattfinden, beide Bühnen waren durch Glasfaserkabel, Bildschirme und Lautsprecher miteinander verbunden - die wahrscheinlich bisher radikalste Form von digitalem Theater. "Theater scheint als Live-Medium par excellence zwar die analogste Kunstform überhaupt zu sein, arbeitet gleichzeitig aber seit jeher mit künstlerischen Strategien und Behauptungen, die eher als digitaltypisch gelten", schreibt Tagesspiegel-Kritikerin Christine Wahl dazu.

Musik-Tipp 1

Gemeinsam singen kann enorm viel Kraft spenden, vor allem auch, wenn es sich um Gebete handelt. Komponist Helge Burggrabe macht diese uralte menschliche Kulturtechnik mit seinem "Hagios"-Livestream auch in Corona-Zeiten möglich. Hagios ist das altgriechische Wort für das Heilige, dann Unnennbare (siehe auch "Hagia Sophia" in Istanbul). Burggrabe ließ sich von diesem Begriff zu zeitgenössischen Stücken inspirieren, die die "alte, kraftvolle Gesangs-Tradition von Klöstern und Gemeinschaften wie Taizé auf eine neue Weise fortführen". Immer freitags um 19 Uhr lädt er auf Youtube und Facebook zum gemeinschaftlichen Singen, Beten und zur stillen Einkehr ein.

Musik-Tipp 2

Australien ist nach dem Ende der verheerenden Buschbrände wieder dahin zurückgerutscht, wo es sich (aus europäischer Sicht) eigentlich immer befindet: am Rand der Aufmerksamkeit. Den meisten dürfte höchstens die markante Segelkulisse des Sydney Opera House etwas sagen. Wer an diesem Freitag dessen Webseite besucht, wird Zeuge des alljährlichen Tanzwettbewers der Aborigines, der australischen Ureinwohner. 350 Menschen nehmen teil am First Nations Dance, der im Freien am Bennelong Point stattfindet - so heißt die Halbinsel, auf der das Opernhaus steht. Einen Tag spätera, Samstag, bietet das digitale Programm dann eine Aufzeichnung von Beethovens 9. Symphonie. Und die gestattet dann tatsächlich auch mal Einblicke in das Innere des Baus (www.sydneyoperahouse.com).

Vermeers "Astronom" - es braucht nur einen Globus, eine Decke und das richtige Fenster!
Vermeers "Astronom" - es braucht nur einen Globus, eine Decke und das richtige Fenster!Foto: J. Paul Getty Trust

Kunst-Tipp

Zum Schluss was wirklich Lustiges, kann nie schaden in diesen Tagen: Das Getty Museum in Los Angeles hat sein Publikum darum gebeten, die Zeit zuhause gut zu nutzen - und das Lieblingskunstwerk mit eigenen Mitteln in der Wohnung nachzustellen. Das Ergebnis ist grandios. es zeugt von der überbordender Kreativität vieler Menschen und macht einfach gute Laune. Caravaggios "Der ungläubige Thomas" von Caravaggio? Jesus' Wunde kann man auch aufmalen! Ann Zumhagen-Krause stellt auf ihrem Bild den Lichteinfall von Vermeers "Astronom" kongenial nach. Anklicken, staunen, lachen! Zu sehen auch auf diesem Blog: https://www.sadanduseless.com/recreated-art/

(Zusammenstellung: uba, wun)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

10 Kommentare

Neuester Kommentar