Kunst bei Ketterer und Brusberg : Vorschau und Rückblick

Ketterer zeigt eine Vorbesichtigung mit Highlights der kommenden Auktionen, die Galerie Brusberg blickt auf 60 Jahre Betrieb zurück.

"Rousseau im Park" von Adolph von Menzel, vor 1856
"Rousseau im Park" von Adolph von Menzel, vor 1856Foto: Ketterer

Max Liebermann ist berühmt für seine luftigen Garten- und Strandbilder, doch der Berliner Maler schaute im späten 19. Jahrhundert ebenso genau in die dämmrigen Ecken der Stuben und Ställe. In der Nationalgalerie hing mit „Die Wochenstube – Schweinekoben“ lange ein eindrucksvolles Beispiel seines anderen Schaffens. Nun zählt das Bild zu den Highlights der kommenden Auktionen bei Ketterer – und wird noch einmal zur Vorbesichtigung ausgewählter Arbeiten am 12. und 13. November in der Berliner Dependance (Fasanenstr. 70) gezeigt.

Auf 60 000–80 000 Euro ist Liebermanns tierisches Motiv geschätzt und liegt damit ein ganzes Stück hinter der „Ruhigen See“ (1887) von Iwan Aiwasowski: Ein Gemälde, das auf der Münchner Auktion am 23. November mindestens 120 000 Euro erzielen soll. Aiwasowski gilt vielen als „ russischer William Turner“, der ähnlich dem Briten mit seinen atmosphärischen Farben die – eigentlich unsichtbare – Luft im Gemälde zum Klingen zu bringen vermochte. Ein drittes Toplos der „Kunst des 19. Jahrhunderts“ ist Adolph von Menzels um 1850 entstandenes Aquarell „Rousseau im Park von Versailles“. Es zeigt einen kritisch auf das Treiben einer Rokokogesellschaft blickenden Philosophen, der sich wohl lieber ganz der Natur gewidmet hätte. Menzels Blatt ist auf 40 000–60 000 Euro geschätzt, zuletzt befand es sich in einer New Yorker Privatsammlung. Nun könnte es wie im 19. Jahrhundert, als Carl Ludwig Kuhtz das Bild als Sekretär des Vereins der Kunstfreunde in Preußen erwarb, wieder nach Berlin kommen.

Brusbergs „Wunderkammer“

Während man bei Ketterer zur Vorbesichtigung lädt, blickt Felix Brusberg als Sohn des legendären Galeristen Dieter Brusberg auf 60 Jahre Galerie zurück. In seinen „Wunderkammer“ genannten Räumen (Friedbergstr. 29, bis 17.11.) versammelt er vorwiegend unverkäufliche Ausstellungsplakate, Kataloge, Editionen und Ephemera aus der langen Zeit einer Galerie, die man vor allem mit ostdeutscher Nachkriegskunst verbindet. Ein Blick an die dicht bedeckten Wände erzählt allerdings eine viel größere Geschichte: Dieter Brusberg setzte sich auch für Dada und Surrealismus ein, in seinen 384 Ausstellungen traten Künstler wie Hans Arp, Max Ernst, Henri Magritte oder Tom Wesselmann auf.

Felix Brusberg hat noch andere interessante Zahlen parat: Knapp 5000 Personen und Institutionen in der Kundendatei kosteten die Galerie in 60 Jahren knapp 300 000 Euro für Einladungspost. Es gab rund 100 Messebeteiligungen und an die 10 000 Kunstverkäufe – plus sechs Diebstähle. Rund 150 Kunstbücher und Kataloge wurden im eigenen Verlag gedruckt, gemeinsam leerte man circa 15 000 Weinflaschen während der Vernissagen. Eine einsame Entscheidung war hingegen Brusbergs Ablehnung des Bundesverdienstkreuzes: „Mein Vater meinte, er habe immer nur seine Arbeit gemacht, und dafür stehe ihm kein Orden zu.“

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