Kunst und Markt: Art Cologne : Die Art Cologne auf Schrumpfkurs

Die größte deutsche Kunstmesse in Köln verkleinert sich, um besser zu werden.

Alexandra Wach
Nahsicht. Blick in die Koje der Roslyn Oxley9 Gallery mit einem Foto von Bill Henson und Objekten von Angela Brennan.
Nahsicht. Blick in die Koje der Roslyn Oxley9 Gallery mit einem Foto von Bill Henson und Objekten von Angela Brennan.Foto: Art Cologne

Die Welt als Miniatur: Unter einem Baum schlummernd winzige Kühe und Schafe, kleine Blumen wachsen aus einem bemalten Käfer, auf dessen Dach jemand einen Plattenspieler abgestellt hat. „Idyllisch“ findet das eine Frau am Stand der Galerie Blain Southern. Bis sie den grausamen Clown in der Installation des britischen Bruderpaars Jake und Dinos Chapman entdeckt und ihren Weg über die Art Cologne erstaunlich schnell fortsetzt.

Marie-Catherine Vogt kann dieser Liebesentzug nichts anhaben. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Messe“, meint die Direktorin der Galerie. „Gleich in den ersten Stunden haben wir mehrere Arbeiten verkauft“. Angst um die Art Cologne muss man also kaum haben – obwohl sie sich zur 53. Ausgabe eine ähnliche Schrumpfkur verordnet hat, wie es die Chapman-Brüder mit der Wirklichkeit in ihrer Kunst tun.

Schon der Auftritt im vergangenen Jahr überraschte mit weitläufigeren Gängen und einer luftigen Plaza, um die sich Großgaleristen wie David Zwirner oder Gagosian scharten. Letzterer bleibt der Messe diesmal fern. Doch daran liegt es nicht, dass sich beim Flanieren der Eindruck massiver Aufräumarbeiten einstellt. Messeleiter Daniel Hug hat die Zahl der Aussteller von zuletzt 210 radikal auf 176 reduziert. Viele Galeristen mussten dazu ihre gewohnten Plätze verlassen und umziehen. Die ganze obere Etage ist verschwunden: Halle 11.3, wo der Nachwuchs offenbar mehr unter sich blieb, als ihm lieb sein konnte, ist Geschichte.

Malerei ließ die Kassen klingeln

„Neumarkt“ nennt sich dieser Sektor für junge, aufstrebende Galerien, wo zuletzt 17 Teilnehmer ihre Stände hatten. Diesmal überstanden nur 13 Bewerber das strenge Auswahlverfahren. Hug hat sie ins Geflecht der etablierten Zeitgenossen eine Halle tiefer integriert, wo etwa die Schweizer Platzhirsche Hauser & Wirth aus ihrer Solo-Show der Malerin Rita Ackermann in kürzester Zeit vier Gemälde und mehrere Zeichnungen verkauften. Auch am Stand des Top-Galeristen Thaddaeus Ropac ließ Malerei die Kassen klingeln. Neben Werken von Alex Katz und Daniel Richter zog vor allem das monumentale Gemälde „Rose Pole“ von Robert Rauschenberg die Blicke auf sich. Kostenpunkt: 1,9 Millionen US-Dollar. Daniel Buchholz hat mit einer neuen Installation von Isa Genzken erst einmal weniger Glück: Die kreisförmig arrangierten Schaufensterpuppen sind ein sicheres Selfie-Motiv, die Begehrlichkeiten ließen aber angesichts einer sechsstelligen Kaufsumme auf sich warten.

Auffällig rar machen sich Video-Positionen, jüngste Digitalkunst findet mal allein am Stand von Priska Pasquer: Der Kunst der Französin Fiona Valentine Thomann kommt man nur mit Hilfe von Smartphone, App und Virtual-Reality-Brille auf die Spur. Wem diese etwas selbstreferenzielle Technik nicht liegt, wechselt in die untere Hallenebene, wo die klassische Moderne und die Nachkriegskunst ihren Platz haben. Etwa am Stand von Julian Sander, der eine Zeitreise mit exakt den Fotografien unternahm, die sein Uropa August Sander 1927 im Kölnischen Kunstverein zeigte. Eine großartige Exkursion, denn die meisten Motive hat man noch nie zu Gesicht bekommen.

Emil Nolde ist bei Sammlern ungebrochen populär

Im Gegensatz zu Werken der Zero-Gruppe, die weiterhin zahlreiche Stände beherrschen. Man findet sie bei Maulberger, Heinz Holtmann, von Vertes, Samuelis Baumgarte, Schwarzer und Henze und Ketterer, die neben einer 3,9 Millionen teuren „Sängerin am Piano“ von Ernst Ludwig Kirchner mit einer spektakulären Arbeit von Heinz Mack aufwarteten: Die im silbernen Aluminiumnetz schimmernden „Wings of Gabriel“ (1965) wechselten für 1,1 Millionen Euro den Besitzer.

Kein Käuferschwund auch bei Galeristen, die Emil Nolde im Programm führen. Auch wenn Angela Merkel den überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten aus ihrem Arbeitszimmer verbannt und die aktuelle Berliner Ausstellung sein Denkmal stürzt. Noldes Popularität bei den Sammlern tut dies keinen Abbruch. Nach wie vor zähle er zum Spitzensegment, so der Frankfurter Achim Hagemeier, einer von fünf Galeristen, die den Expressionisten im Gepäck haben und sich nun mit ungewohnter Medienaufmerksamkeit konfrontiert sehen. Dem Geschäft schadet das keinesfalls.

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Art Cologne, Messehallen, Köln; bis 14.4., www.artcologne.de

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