Kunstmesse in Paris : Marmor, Stein und Farbe

Die junge Kunstmesse Fine Arts Paris findet nun unterirdisch statt.

Licht. Bei Fabienne Fiacre hängen Georges Leroux’ „Jardins de la villa Medicis“.
Licht. Bei Fabienne Fiacre hängen Georges Leroux’ „Jardins de la villa Medicis“.Foto: Fine Arts Paris

Immer zahlreicher werden Kunstmessen, und sie werden nahe beim potenziellen Käufer veranstaltet, von Miami bis Hongkong. Paris ist ein uralter Umschlagplatz für Kunst, muss seinen Rang aber verteidigen. Die eingeführte Messe Paris Tableau verschwand nach einem missglückten Fusionsversuch mit der Biennale. An ihre Stelle trat im Vorjahr die Fine Arts Paris, die nun ins unterirdische Carrousel du Louvre gezogen ist, der Shopping-Zone im Anschluss an das Foyer des Museums.

Von Ausstattung und Atmosphäre ist das eine überraschend gute Wahl. In den stützenlosen Veranstaltungsraum hat die Messegesellschaft eine noble Architektur bauen lassen. Man flaniert durch zwei parallele Straßen und betritt keine offenen Kojen, sondern regelrechte Geschäftsräume der 43 teilnehmenden Galerien. Manche haben denn auch das Kojeninnere entsprechend ausgestattet, am besten Steinitz (Paris) mit grüner Samtbespannung und originalem Parkett. Darauf stehen marmorne Sockel verschiedener Größe und tragen Skulpturen von einer prachtvollen antikischen Büste in Bronze und Marmor aus dem 16. Jahrhundert (370 000 Euro) bis zu einer Terrakotta-Studie des „Bildhauers der Aufklärung“, Jean-Antoine Houdon (um 1785).

Von Rodin bis José de la Mano

Skulptur ist nämlich das Thema dieser Messe: Fast alle Galerien halten sich an die Vorgabe und zeigen, dass die gemeinhin schwerer zu vermittelnde Bildhauerei durchaus als Sammelgegenstand taugt. Zudem runden Begleitveranstaltungen die Messe ab, darunter die Eröffnung einer eigenen Skulpturengalerie im Musée du Petit Palais. Bei Tarantino (Paris) steht eine römische Marmorbüste der Zeit Hadrians (117-138 n. Chr.) für 80 000 Euro direkt vor dem um 1600 entstandenen Gemälde der Constanza Medici-Cospi von Tiberio Titi (60 000 Euro). Aus Zeit stammt auch die imposante Büste einer Dame in weißem Marmor von Servais Cardon (35 000 Euro) bei Ratton-Ladrière aus Paris. Die Vorstudie einer Porträtbüste in Terrakotta, die Auguste Rodin von einem großbürgerlichen Auftraggeber um 1888 fertigte, hat Trebosc van Lelyveld (Paris) bereits zur Vorbesichtigung als „verkauft“ markiert – nach dem Rodin-Geburtstagsmarathon im Vorjahr kein Wunder. José de la Mano aus Madrid zeigt die Mischform von Relief und Skulptur mit einer eher volkstümlichen Arbeit aus Sevilla, einem farbig gefassten Holzrelief mit daraus hervorwachsender Figur des heiligen Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Eine Galerie wie Univers du Bronze (Paris) darf bei dieser Messe nicht fehlen: Sie hat taufrische Arbeiten eines Italieners mit dem Künstlernamen Umberto im Angebot, der ausschließlich Seegetier wie einen Oktopus aus Bronze fertigt – für 35 000 Euro muss man derlei schon sehr mögen.

Natürlich gibt es weiterhin Altmeistergemälde. Schon vor der Messe wurde über die drei mit Tafeln von Niccolò Codazzi berichtet, die bislang nicht einmal publiziert sind, weil sie – seit 1727 bei einem Genueser Grafen nachgewiesen – bis jetzt in Privatbesitz verblieben (für 380 000 Euro bei Canesso). Maurizio Nobile aus Bologna wartet mit einer „Trunkenheit Noahs“ aus dem Jahr 1667 von Luca Giordano auf, die wohl als voll ausgeführte Studie zu einer großen Tafel für den spanischen Escorial anzusehen ist (110 000 Euro). Perrin aus Paris hat Hubert Robert im Angebot, einen der regelmäßig vertretenen Messekünstler, hier mit einem „Capriccio mit dem Reiterstandbild des Marc Aurel“ von 1780 (180 000 Euro).

Auch Pierre-Jacques Volaire ist ein vertrauter Name; bei Didier Aaron ist er mit einem seiner zahlreichen, aber wunderbar komponierten Vesuv-Ausbrüche (350 000 Euro) zu sehen, mit denen der Künstler in Neapel ausgesprochen wohlhabend wurde.

Fine Arts Paris, Carrousel du Louvre, Paris; bis 11.11., www.finearts-paris.com

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