• Kunsttipps für die nächsten 14 Tage: Schwimmbäder von oben und Namedropping am Kunstforum

Kunsttipps für die nächsten 14 Tage : Schwimmbäder von oben und Namedropping am Kunstforum

Die Madonnen von Raffael, ein Alphabet aus Keramik und eine Lecture von Felwine Sarr in Dahlem – das sind unsere Kunsttipps für die nächsten 14 Tage.

„Archiv“ von Martin Zellerhoff, zu sehen bei L40, Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz.
„Archiv“ von Martin Zellerhoff, zu sehen bei L40, Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz.Foto: Martin Zeller

In der neuen Ausgabe des Newsletters BERLINER-KUNST verraten wir unter anderem, wer in die "Power 100"-Liste der Kunstwelt eingestiegen ist und welche Ausstellungen Sie nicht verpassen sollten. Außerdem hat unser Aufruf zur Namensfindung für das Museum der Moderne Früchte getragen.

Hier sind unsere Tipps von 5.12. bis 19.12.2019. Weitere News und Empfehlungen gibt es alle 14 Tage donnerstags im Newsletter BERLINER—KUNST: [Jetzt anmelden unter: www.tagesspiegel.de/berliner-kunst]

Ausstellungstipps & Events

Die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy und der senegalesische Ökonom Felwine Sarr schafften es auf Platz 6 der „Power 100“-Liste. Damit gehören sie laut dem Magazin Art Review zu den einflussreichsten Menschen im zeitgenössischen Kunstbetrieb. Geschafft haben sie das mit ihrem Bericht zur Restitution afrikanischer Kulturgüter, verfasst im Auftrag des französischen Präsidenten. Savoy und Sarr fordern die Rückgabe kolonialer Kunst. Emmanuel Macron schien mehr als bereit dazu. In einem „Zeit“-Interview kritisierte Felwine Sarr mittlerweile, dass fast nichts geschehen sei in Frankreich. Über die hiesige Entwicklung sagt er interessanterweise: „Deutschland hat sich bewegt“. Nun kommt Sarr zu einem besonderen Vortrag in die Stadt. Er ist der erste Redner der Serie „Berlin Southern Theory Lecture“, initiiert von der Freien Universität, die Geistes- und Sozialwissenschaftler*innen aus dem globalen Süden nach Berlin bringt.

[Mi, 11. Dezember, 18 Uhr, Foyer des Ethnologischen Museums, Lansstr. 8, Dahlem, Eintritt frei.]

Wer hat Lust auf Superlative? Im Willy Brandt Haus sind die „die besten Fotos“ des „größten Fotowettbewerbs der Welt“ zu sehen. Gemeint ist der Sony World Photography Award. Die Bilder des Gewinners Federico Borella erzählen von den Selbstmorden indischer Bauern, die dem Klimawandel nichts entgegenzusetzen haben. Leichtere Themen sind: Dutzende von Schwänen, die sich auf einem See in China in Herzform formieren. Deutsche Schwimmbäder mit einer Drohne fotografiert. Oder tolle Porträts, wie das eines schicken Dandys vor Mustertapete.

[Bis 2. Februar, Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstr. 140, Kreuzberg, Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei, Ausweis erforderlich.]

Hier eine Information aus der Kategorie „unnützes Kunstgeschichtswissen“. Der italienische Renaissancemaler Raffael ist an einem 6. April geboren – und er starb an einem 6. April. 2020 jährt sich der Todestag zum 500. Mal. Die Gemäldegalerie lädt aus diesem Anlass zum „Madonnentreffen in Berlin“. In einer kleinen Kabinettausstellung sind mehrere Madonnenbilder des Meisters versammelt. Fünf stammen aus der Gemäldegalerie, dazu kommt die noch nie ausgeliehene „Madonna mit den Nelken“ aus der National Portrait Gallery in London. Bilder des jungen Raffael waren 1830, etwa zu der Zeit, als die ersten Museen in Berlin gegründet wurden, sehr angesagt. Die Ausstellung will beleuchten, wie die Berliner Häuser dazu beigetragen haben, seine Heiligenbilder zum Massenphänomen zu machen.

[Fr 13. Dezember – 26. April, Gemäldegalerie, Kulturforum, Tiergarten, Di-Fr 10-18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr.]

Ist unsere Sprache okay? Ist sie gleichberechtigt? Schön? Hat sie überhaupt Worte für alles, was relevant ist? Um über die Beschaffenheit der Sprache nachzudenken, hat die sehr verfolgenswerte Berliner Künstlerin Charlotte Dualé ihr eigenes Alphabet in Keramik angefertigt. Damit schreibt sie aktuell in der Galerie Noah Klink auf die Wände.

[Bis 4. Januar, Galerie Noah Klink, Kulmer Str. 17, Schöneberg, Do-Sa 12-18 Uhr und auf Anfrage.]

„TXT“, ein Alphabet aus glasierter Keramik von Charlotte Dualé, ist in der Galerie Noah Klink zu sehen.
„TXT“, ein Alphabet aus glasierter Keramik von Charlotte Dualé, ist in der Galerie Noah Klink zu sehen.Foto: Katja Illner/ Charlotte Dualé

Um das Medium als Message geht es bei Martin Zellerhoff. Der Berliner Fotograf hat tolle Bilder von Kameras und anderem Fotoequipment gemacht. In einer Ausstellung zeigt er nun Aufnahmen von Dias aus dem Archiv einer Kunsthistorikerin, die sich, einsortiert in Plastik-Diaschienen, zu Bildermosaiken zusammenfügen. Man kann sich streiten, ob die Gemälde oder die alten Dias oder deren Sortierung die eigentliche Aussage beinhalten. Wie der Fotograf selbst darüber denkt, kitzelt Journalist Raimar Stange am Mi 18.12. aus ihm heraus.

[Gespräch, Mi 18. Dezember, 19 Uhr, Ausstellung bis 24. Januar, Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz, Linienstr. 40, Mi-Fr 14-18 Uhr und auf Anfrage / Winterpause 21. Dezember. bis 6. Januar.]

Jobs

Die Berlinische Galerie, das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, zählt sich „zu den experimentierfreudigsten Museen Berlins“. „Bei uns geht es um Inspiration und Entdeckung, um Impulse und Ideen, um Begeisterung und Authentizität. Und natürlich um Berlin“, schreiben die Verantwortlichen. Gesucht wird eine Persönlichkeit mit dazu passender Entdeckerlust, die etwas von Fotografie versteht. Zum 1. November 2020 wird die Stelle des/der Leiter*in der Fotografischen Sammlung neu besetzt. Bewerbungsschluss ist der 6. Januar.

MuMo, BeMMo, BARN?

Im letzten Kunst-Newsletter fragten wir nach einem Namen für das neue Museum der Moderne am Kulturforum. Über die vielen Zuschriften haben wir uns sehr gefreut, besonders auch über die kameradschaftlichen Tipps aus anderen Städten. Aus Frankfurt schreibt etwa Sabine Kübler: „wir haben die Schirn Kunsthalle, Schirn ist eigentlich eine überdachte Wurstbude. Vielleicht gibt es bei euch auch noch so ein Wurstbudenwort ...“.

Danke, in die Richtung könnten wir weiterdenken. Zumal die kultige Imbissbude „Chez Ahmed“, geführt von Ahmet Korubay, die seit 30 Jahren am Rande des jetzigen Baugeländes steht, sowieso Aufnahme in den neuen Museumskomplex fordert. Vielleicht ergibt sich ja auch etwas Interessantes, wenn man bei Vollmond die Buchstaben des Wortes CURRY durcheinanderwirbelt, etwas mit „Contemporary“ und „Urban“ zum Beispiel.

Die meisten Leserinnen und Leser gehen beherzt an die Sache heran und schlagen Abkürzungslösungen vor, selbst, wenn sie den Buchstabensalat selbst nicht gut finden. Am Anfang klingt schließlich alles komisch und dann gewöhnt man sich dran.

Hier ein Best-of:
• MuMo (Museum der Moderne)
• oder MUDEMO geschrieben
• oder auch MudeMo
• BeMMo (Berliner Museum der Moderne)
• MfMK (Museum für Moderne Kunst)
• M2 BERLIN (Museum der Moderne Berlin mit Anklang an „Museum des 20. Jahrhunderts")
• MAM (Museum Art Modern)
Oder besonders schön: BERLIN ART MODERN – BEAM
Angelehnt an die Scheunen-Architektur sind einige auch für: BARN; etwa als Abkürzung für „Berlin Art Radical New Museum“, wie Raik Hölzel vorschlägt.

Was die Franzosen elegant hinkriegen – siehe „Centre Pompidou“ in Paris – klingt bei uns plump: Centre Grütters geht jedenfalls nicht, findet auch unser Leser. Aber was wäre mit „Chez Monika“?

Der erste symbolische Spatenstich für das Museum in Anwesenheit der Bundeskulturbeauftragten ist übrigens diese Woche erfolgt. Wie es war, hat Nicola Kuhn unter „Sechs Schippen und ein Halleluja“ zusammengefasst.

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