Lange Nacht der Ideen 2019 : Auf der Suche nach Identität

Die Videokünstlerin Yafei Qi zu Gast im Dachatelier des Auswärtigen Amtes

Malende Videokünstlerin. Yafei Qi, „AArtist in Residence“, im Dachatelier des Auswärtigen Amtes.
Malende Videokünstlerin. Yafei Qi, „AArtist in Residence“, im Dachatelier des Auswärtigen Amtes.Foto: Rolf Brockschmidt

Betritt man ihr Atelier auf dem Dach des Auswärtigen Amtes (AA), riecht es nach frischer Ölfarbe. Seltsam, dabei wurde sie doch als Videokünstlerin angekündigt? Yafei Qi lacht: „Ich brauche beides. Ein Video ist Gruppenarbeit und hat viel mit Technik zu tun. Malerei ist intimer, persönlicher.“ Die Künstlerin aus Beijing ist die erste Stipendiatin des Jahrgangs 2019 im Programm „AArtist-in-Residence“ des Auswärtigen Amtes, das das Ministerium 2016 mit dem Landesverband der Berliner Galerien aufgelegt hat.

Yafei Qi, die in Beijing, Vancouver und Bergen ihren Bachelor und zwei Master gemacht hat, war überrascht, dass sie ausgewählt wurde. „Ich habe mich gefragt, wie Politik und Kunst zusammenpassen. Aber es geht, ich bin völlig frei und ich finde es toll, dass die deutsche Regierung Künstler unterstützt.“

Die 32-Jährige zeigt in ihrem Studio zwei Videos, darunter das preisgekrönte „Wearing the Fog“ (2016–17) über das Leben ihrer Familie in der Industriestadt Shijiazhuang in der Provinz Hebei. Es gab viele Spannungen; die Eltern strebten nach wirtschaftlichem Erfolg und hatten wenig Zeit für ihre Kinder. „Das ging nicht nur mir so, sondern meiner ganzen Generation“, sagt Yafei Qi. Das Video arbeitet mit zwei, drei Bildschirmen. Die Menschen leben nebeneinanderher, dazwischen sind Szenen der Stadt im Smog geschnitten. Auf den Gemälden an der Wand sitzen Personen ohne Gesicht.

Yafei Qi im Dachatelier des Auswärtigen Amtes vor ihrem Video "I wonder why".
Yafei Qi im Dachatelier des Auswärtigen Amtes vor ihrem Video "I wonder why".Foto: Rolf Brockschmidt

Zurzeit realisiert Yafei Qi ein Videoprojekt mit Migranten. Jeden Morgen streift sie zwischen vier und sieben Uhr durch Berlin und filmt. „Ich liebe die leere Stadt“, sagt sie. Parallel führt sie Interviews mit Migranten über Heimat und Identität. Satzfragmente daraus nutzt sie als Soundtrack.

Noch bis zum 14. Juni ist ihre Einzelausstellung "Wearing the Fog" in der Galerie Migrant Bird Space am Koppenplatz 5 zu sehen.

Weitere Stipendiaten: Susa Templin, deutsche Fotokünstlerin, und der Deutsch- US-Amerikaner Thomas Krippendorff

Atelierbesuch im Rahmen der Langen Nacht der Ideen am 6. Juni nur nach Voranmeldung.

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