Liebesgedichte von Sina Klein : Aus Messern gemacht

„Skaphander“: Sina Klein macht in Sonetten, fragmentierten Volksliedstrophen und Rondeaus die Beschädigungen der Liebe sichtbar.

Die Dichterin Sina Klein.
Die Dichterin Sina Klein.Foto: Klever Verlag

Alles ist Wundenschlagen“, so hatte einst Ingeborg Bachmann das Verhängnis der Liebe definiert. Bevor die Liebenden sich ihrer Hingabe vergewissern können, hat es schon begonnen. Diese schwarze Utopie hat nun die Dichterin Sina Klein in drei großen Zyklen kunstvoll fortgeschrieben, wobei diese Zyklen in ihrem neuen Gedichtband „Skaphander“ in strenger spiegelbildlicher Ordnung in sechs Teile zerlegt werden.

In versehrten Sonetten, fragmentierten Volksliedstrophen und zerbeulten Rondeaus werden die Beschädigungen der Liebe sichtbar gemacht: Es gibt keine harmonische Fügung in diesen an klassischen Reimstrophen orientierten Gedichten. Stattdessen dominieren Zertrennung und Zersplitterung. Das Zusammensein erweist sich als permanente Verfehlung des Anderen: „und wie die ringe spuren sind, so gehen / wir im kreis. du wirfst mich weg, du fügst / der nacht den weißen riss zu, wenn du schreist. // als ich beschloss, dich / wieder zu verpassen, / wusste ich: was einmal offen ist, ist / ein begriff von schluss …“ Sina Kleins lyrisches Ich inszeniert die Kollisionen auch formal. Die Bruch- und Schnittstellen werden durch Schrägstriche innerhalb der Verszeilen markiert. Als Motti zweier Kapitel zitiert sie die Puppenbilder des Surrealisten Hans Bellmer, der die Glieder von ihm bearbeiteter Puppen zerlegte und zu neuen grotesken Körpern zusammensetzte.

Diese Liebesgedichte stemmen sich gegen die Fliehkräfte der emotionalen Zerreißproben, auch mithilfe eines „Skaphanders“ (eine veraltete Bezeichnung für „Schutzanzug“). Bereits aus Sina Kleins Debüt „narkotische kirschen“(2014) bekannt sind die „schier“-Gedichte. Die Vokabel verweist bei Klein auf etwas Unfertiges, auf lyrische Fragmente, die sich einer Vollendung und einer poetischen Balance widersetzen. „alles an uns“, heißt es an einer Stelle, „ist aus messern gemacht“.

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Sina Klein: Skaphander. Gedichte. Klever Verlag, Wien 2018. 80 Seiten, 15 €.

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