Buch-Rezension : Es lebe der Masermontag!

"QQ", "Quiet Quality", "stille Güte", heißt das neue Buch von Max Goldt, dem Stilgott und Meister des Abseitigen. Den Leser erwarten Teddy-Leichen und entbehrliche Feiertage.

Achim Fehrenbach

"Die Verbesserung von Jessicas Mutter mit Hilfe eines Mülleimers" ist keine Lektüre für labile Gemüter. Wahrlich, es gehört zum Grausamsten, was Max Goldt je zu Papier gebracht hat. Im frühen 21. Jahrhundert, so Goldt, werden deutsche Fußgängerzonen von einer neuen Plage heimgesucht: Erwachsene Frauen beheften ihre Taschen und Rucksäcke mit Teddybären und senden damit "verheerende soziale Signale" aus. Da hilft nur Eines: durchgreifen! Goldts Heldin Jessica tut ihrer Mutter was Gutes, das Bärchen landet im Müll, "auf einer mit Zigarettenkippen bedeckten Lage Kohlrabischalen". Obendrauf kippt Jessica noch einen Becher mit alter Buttermilch, damit die Mutter den Teddy auch ja nicht wieder aus dem Müll fischt. Uff! Aber Goldt wäre nicht Goldt, würde er die harsche Handlung nicht um eine Versöhnungs-Szene in bester Soap-Manier anreichern.

Goldt ist in "QQ" immer dann besonders unterhaltsam, wenn er - wie in der Teddybär-Episode - Alltagsbeobachtungen und Medienrealität zu einem absurden Mix verquirlt. Glänzend auch das "Nein zum Masermontag", das die "versuchsweise" Einführung eines "richtig schön gesellschaftslähmenden und wirtschaftsschädigenden Doppel- bis Dreifachfeiertages" erörtert. Goldt dekliniert diesen wahnsinnig unspektakulären Feiertag in aller Gruseligkeit durch, nur um ihn noch mit der Inhaltsangabe eines überaus spießigen Fünfziger-Jahre-Films zu toppen. Der Leser liest es mit Lust, auch wenn er nach einem Film dieser Sorte "malade, nach zweien multimorbid, nach dreien multimorbid-moribund" ist.

Bräsige Rohlingsspindel

Weniger lustvoll geht es zu, wenn Goldt die Sprachkritik nicht als Beiwerk und Verbindungsglied, sondern als zentrales Anliegen formuliert. Sechs volle Seiten widmet er dem in Mode gekommenen Wort "Prokrastination" (Aufschiebeverhalten), indem er - selbstverständlich stark überzeichnet - den Alltag eines Prokrastinierers schildert. Das ist geistreich seziert, aber nicht besonders originell. Ähnlich "bräsig" (um mal eines von Goldts Lieblingsworten zu verwenden) geht es in "So machen es die klugen Sprachen" zu, einem Lobgesang auf das Wort "Rohlingsspindel".

Multimorbid wird man von solch einer vielzeiligen Abhandlung nicht gerade, aber doch ein bisschen malade. So begibt man sich mit Goldt auch gerne in eine siebzigminütige "Cranio-Sakral-Session", die bei ihm mittels Streicheln und Pressen "Energieblockaden" lösen soll, dann aber doch in eine ganz andere als die gewollte Richtung abdriftet. Während die Therapeutin obskur die Finger auf Fersen und Nacken kreisen lässt, massiert der Autor wohltuend unser Zwerchfell. Wenn Humor eine Langzeitmedizin ist, dann hat uns Max Goldt mit "QQ" wieder eine gute Dosis verpasst.

Max Goldt: QQ. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2007. 224 Seiten, 17,90 Euro