Die Kulturen an der Seidenstraße : Mehr als ein Stoff

Handelswege und Kulturen - Susan Whitfield erklärt in ihrem Sammelband "Die Seidenstraße" die kulturellen, geografischen und politischen Hintergründe

Nutztier. Das Baktrische Kamel mit einem Seidenballen.
Nutztier. Das Baktrische Kamel mit einem Seidenballen.Foto: Harvard Art Museums

Die Seidenstraße ist ein magischer Begriff, der seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ein Netz von alten Handelswegen zu Wasser und zu Lande zwischen Europa und China beschreibt, das seine Blütezeit zwischen 200 vor bis etwa 1400 nach Christus erlebte. In jüngster Zeit greift Chinas Staatspräsident Xi Jinping die alte Idee der Seidenstraße wieder auf, um entlang der neuen Handelswege mit den Anrainerstaaten Geschäfte zu machen – meist zu Chinas Vorteil.

Seide war seit alters her ein begehrtes Luxusgut, dünn, fein, kostbar. Mehr als ein Stoff, sondern auch ein Zahlungsmittel, das leichter zu transportieren war als eine Kiste voller Goldmünzen. Davon zeugt das sogenannte „Baktrische Kamel“ aus dem 6. Jahrhundert. Kamele mit solchen Seidenballen fanden sich in vielen chinesischen Gräbern.

Susan Whitfield und ihre Ko-Autoren erzählen in vielen thematischen Kapiteln in dem üppig illustrierten Band „Die Seidenstraße: Landschaften und Geschichte“ (WBG Theiß Verlag, Darmstadt 2019. 480 S., 50 €) die faszinierende Geschichte dieser Handelsverbindungen von Europa bis nach China. Steppe, Berge und Hochland, Wüsten und Oasen, Flüsse und Ebenen, Meere und Himmel sind die großen Kapitel überschrieben, die Verbindungen aufzeigen zwischen den Kulturen und damit Wissenslücken schließen. Das Buch ist gut parallel zu Peter Frankopans beeindruckendem Werk „Licht aus dem Osten“ zu lesen, das merkwürdigerweise in der Literaturliste fehlt. Ausgestattet mit vielen Karten, hervorragenden Fotos von Landschaften, Baudenkmälern und Objekten, lädt dieser Band zum Stöbern und Nachschlagen ein.