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Zwei Auszeichnungen nach Skandal : Literatur-Nobelpreise gehen an Peter Handke und Olga Tokarczuk

Der Österreicher Peter Handke und die Polin Olga Tokarczuk werden ausgezeichnet. Zwei Nobelpreise gibt es, weil die Verleihung 2018 ausgefallen war.

Peter Handke, oesterreichischer Schriftsteller, Uebersetzer, Autor, Oesterreich, Literatur, politische Literatur, Drehbuchautor, Filmregisseur, Roman, Epik, Erzaehlung, Essay, Drama, Lyrik, Portrait, Einzelportrait, 27.06.2009
Peter Handke, oesterreichischer Schriftsteller, Uebersetzer, Autor, Oesterreich, Literatur, politische Literatur, Drehbuchautor,...Foto: Wolf Heider-Sawall/laif

Die Literatur-Nobelpreise für 2018 und 2019 gehen an die polnische Autorin Olga Tokarczuk und den österreichischen Dramatiker Peter Handke. Das teilte die Schwedische Akademie am Donnerstag in Stockholm mit.

Beide Preise sind diesmal mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Es wurden gleich zwei Nobelpreise verliehen, um auch die Vergabe des Vorjahres nachzuholen.

Tokarczuk werde für ihre erzählerische Imagination ausgezeichnet, die mit enzyklopädischer Leidenschaft das Überschreiten von Grenzen als eine Lebensform darstelle, sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm.

Handke würdige die Akademie für seine einflussreiche Arbeit, die mit linguistischem Einfallsreichtum die Randgebiete und Besonderheiten der menschlichen Erfahrung erforscht habe. Österreichs Kanzlerin Brigitte Bierlein gratulierte dem Preisträger. „Handke hat Generationen von Leserinnen und Lesern bewegt. Diese große Auszeichnung ist höchst verdient und eine würdige Anerkennung für ein literarisches Ausnahmetalent“, twitterte ihr Sprecher. Handke selbst hatte sich über den Preis vor einigen Jahren noch kritisch geäußert: "Den Nobelpreis sollte man endlich abschaffen,“ sagte er 2014. Die Auszeichnung verursache eine „falschen Kanonisierung“ der Literatur.

Am Donnerstag erklärte Anders Olsson, der Vorsitzende des Nobelkomitees der Akademie, hingegen, dass Handke beim Telefonat mit der Akademie sehr gerührt gewirkt habe. "Ist das wahr?", war seine erste Reaktion.

Die Entscheidung der Nobelpreis-Jury nach dem Skandal des letzten Jahres ist eine Überraschung – mit Handke hat niemand wirklich gerechnet. Tokarczuk dagegen gehörte zu den gehandelten Kandidatinnen, und es war klar, dass eine Frau dabei sein würde.

2018 gab es wegen eines Skandals keinen Preis

Diese war 2018 wegen eines Skandals ausgefallen, der die Schwedische Akademie in eine Krise gestürzt hatte. Im Zentrum standen das mittlerweile ausgetretene Mitglied Katarina Frostenson und deren Ehemann Jean-Claude Arnault.

Die Querelen hatten bereits im November 2017 im Zuge der #MeToo-Enthüllungen begonnen, nachdem 18 Frauen in der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“ Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und Übergriffen gegen Arnault vorgebracht hatten.Wegen Vergewaltigung wurde er im Dezember 2018 zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, mittlerweile ist das Urteil rechtskräftig.

Um die Krise hinter sich zu lassen, hat sich die Organisation nun weitgehend neu aufgestellt. Das Nobelkomitee wurde unter anderem um externe Mitglieder erweitert. (Tsp/epd/dpa)

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