Literaturverfilmung „Wir töten Stella“ : Zu dritt allein

Wieder eine Haushofer-Verfilmung, wieder mit Martina Gedeck. Doch Julian Pölslers „Wir töten Stella“ kann nicht an seinen Vorgängerfilm „Die Wand“ heranreichen.

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Martina Gedeck als Anna in Julian Pölslers "Wir töten Stella".
Martina Gedeck als Anna in Julian Pölslers "Wir töten Stella".Foto: epo-film/dpa

Oh Jemine, diese Titelsequenz ist sichtlich vom Wunsch nach literarischem Wumms getragen. Erst schreien im Off ein paar Krähen und gemahnen Eingeweihte an Julian Pölslers Vorgängerfilm „Die Wand“ – in dem die ebenfalls von Martina Gedeck verkörperte Heldin eine innige Beziehung zu Krähen pflegt. Dann nagelt eine Schreibmaschine Buchstaben aufs Papier. Schließlich füllt jedes der drei Wörter „Wir töten Stella“ einmal komplett die Leinwand, bevor Gedecks grübelgraue Miene erscheint und ihre Gedankenstimme den zentralen Satz spricht: „Ich bin allein.“ Uff.

Im Jahr 2012 hat es der Regisseur in seiner bestechenden Verfilmung von Marlen Haushofers Romans „Die Wand“ von 1963 noch ohne solchen formalen Kraftaufwand geschafft, Literatur in Filmkunst zu verwandeln. Die in Parabelform von der existenziellen Isolation einer Frau erzählende Geschichte lebte allein von Martina Gedecks Mimik, ihrer werktreuen Textrezitation und den alpinen Bildern der sie umgebenden Natur. In „Wir töten Stella“, den Pölsler nun nachträglich als ersten Film einer Haushofer-Trilogie anlegt, trägt die Konzentration auf das erzählerische Ich jedoch nicht. Die Folge ist mit Celloklängen unterlegter Edelkitsch. Noch dazu wirkt die thematisch deutlich schmaler als „Die Wand“ angelegte Novelle von 1958 als Drama einer depressiven Hausfrau im Jahr 2018 reichlich verzopft.

Die Affäre stört das Familiengefüge

Anna, die Ich-Erzählerin, schreibt sich die von ihr kühlen Herzens mitverschuldete Tragödie von Stella (Mala Emde) von der Seele. Die großbürgerliche Anwaltsgattin hat die Studentin als Gast in ihren erstickend wortlosen, aber wohlsortierten Haushalt aufgenommen. Nicht lange und Ehemann Richard (Matthias Brandt), ein diskretes Alphamännchen, erkennt den Reiz des ihm zugeführten Rehs. Doch die Affäre stört das Familiengefüge. Also muss Stella weg.

Der Mann, das dominante Raubtier, die Frau, die passiv-aggressive Dulderin – das ist die heillose Geschichte, die Pölsler in endloser Rückblende und Nibelungen-Treue zum Haushofer-Text erzählt. Die in kühle Graublau-Töne und strenge Kaschmir-Twinsets gehüllte Martina Gedeck bemüht sich allzu sichtlich auch dieser Frauenfigur Tiefe einzuhauchen. Ja, in ihren Fluchtfantasien prallt sie sogar an die schon aus dem anderen Film bekannte gläserne Wand. Doch was dort nicht nur Symbol, sondern ein unerklärliches, lebensbedrohliches Phänomen war, schrumpft hier zum platten Dekor.

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