Lykke Li im Astra : Sehr sexy und ziemlich sad

„I Follow Rivers“ war ihr größter und einziger Hit, jetzt singt sie lieber Lieder von Usher: Das Konzert von Lykke Li im Astra.

Julia Friese
Die schwedische Sängerin Lykke Li
Die schwedische Sängerin Lykke LiFoto: Jose Sena Goulao / dpa / picture-alliance

Das Konzert endet damit, dass die Künstlerin sagt, dass es ihr leid tut, dass sie nicht mehr Hits hat, also, weil sie ihren eigentlich einzigen Hit schon als letzten Song des regulären Sets gespielt hat, und damit nun eben einen Song als Zugabe spielen muss, der kein Hit war. Und nachdem sie diese erste Zugabe („Last Piece“) gesungen hat, sagt sie, dass sie gelangweilt ist von ihren eigenen Songs, so sehr, dass sie nun doch lieber einen Song covert. Und dann covert sie Ushers 2001 erschienenes „U Got It Bad“, und dieses Cover passt viel besser zu ihrem Konzert als ihr größter, einziger Hit „I Follow Rivers“. Eben weil sie ihn nicht in ihrer Version spielt, sondern in der Steel-Drum- Version des DJs The Magician. In dieser Bearbeitung war der Song ein Welthit. Die Tropical-House-Reminiszenzen der frühen zehner Jahre sind nicht gut gealtert. Sie klingen nach Großraumdiscotheken, aber das ist nicht das Gefühl was Lykke Li transportieren möchte.

Die schwedische Sängerin lebt in Kalifornien. Von ihrem eher gitarrenbasierten, traurigen Indie-Pop hat sie sich mit ihrem Album „So Sad, So Sexy“ abgewandt, um etwas zu machen, das klingt wie ein schwarz glänzender, kalifornischer Latex-Müllsack voller grüner Geldscheine und Gras. Synthies dröhnen, wie Motorengeräusche. Sie singt von „Sex“, „Money“ und „Feelings"“, davon eine „Bad Woman“ zu sein, denn: „Feelings die“, Gefühle sterben.

Joints gibt's vom Publikum

Um die Stimmung der kapitalistischen Herzenskälte in der gleißenden Sonne Kaliforniens zu transportieren, trägt sie ein schwarz glänzendes, bauchfreies Latex-Ensemble, mit übergroßer Jacke, zu fettig gegeltem Pottschnitt und einer Absperrketten-ähnlichen Metallkette um den Hals. Sie sieht damit aus, wie ein Boygroup-Mitglied in den neunziger Jahren. Sie tanzt auch so. Knie betont, und immer wieder mit der nicht mikrofonierten Hand den eigenen Körper entlang gleitend.

„Ich hoffe, ihr werdet heute Abend bekifft, betrunken und sexy“, sagt sie. Und kurz bevor sie „Jaguars in the Air“ anstimmt, liegt dann deutlich der Geruch von Gras in der Luft des Astras. „Woher kommt das?“, fragt sie, und schon reicht man ihr zwei Joints aus dem Publikum nach vorne. Sie zieht daran, und singt dann, sehr sexy, aber insgesamt eben eher sad. Eben wie jemand, der seine eigenen Songs nicht mehr so mag, und nun Usher von 2001 covert.

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