Kultur : Manowar

Diese Woche auf Platz 2 mit: „Gods of War“

Kai Müller

Für die meisten Menschen ist bei 130 Dezibel die Schmerzgrenze erreicht. Der Aufprall des Lärms, den ein Düsenjet im Tiefflug verursacht, ist für den Körper ein unerträgliches physisches Ärgernis. Für die Band Manowar fängt da der Spaß erst an. 131 Dezibel maß der Schalldruck, den einmal nur die Bass-Anlage der amerikanischen Heavy-Metal-Formation in eine – allerdings leere – Konzerthalle presste. Vor Publikum rangiert der Lärmpegel der offiziell „lautesten Band der Welt“ niedriger: zwischen Motorsäge (115 dB) und Gewitterdonner (120 dB). Gesund ist das alles nicht.

„Lauter als die Hölle“, das ist ein Leitspruch der 1980 von einem Black-Sabath-Roadie gegründeten Band. Doch sollte eine Musik, die sich „True-Metal“ nennt und so viel Mühe gibt, den Körper von ihrer Existenz zu überzeugen, einen gewissen Realitätssinn haben. Den lassen die Finstermänner von Manowar, die Plattenverträge mitunter mit ihrem eigenen Blut unterschreiben, schmerzlich vermissen. „Gods of War“, ihr zehntes Album, ist ein brachial-wagnerianisches Fantasy- Manifest, aufgenommen im heimischen New Yorker Studio „Haus Wanfried“. Sogar ein eigenes Alphabet, das stark an die Namenszüge griechischer Restaurants erinnert, haben die Musiker entworfen. Germanische Sagengestalten wie Odin, sein achtfüßiges Pferd Sleipner oder Loki, dem sie als „Feuergott“ huldigen, vervollständigen die gespenstische Atmosphäre dieser Battle Hymns, Schlachtgesänge.

Freilich fehlt die Schlacht. Fast neun CD-Minuten passiert erst einmal außer opulenten Chören und wattigen Streichern nichts. Und danach auch nicht viel. Kriegsgetümmel und Gefechtslärm? Die Musik bleibt dem Gestus der ewigen Ankündigung verhaftet. So steht das Bombastwerk für den lähmenden Stillstand der Metal-Zunft. In ihrem hybriden Bestreben, die Oper zu beerben, wuchtet sie immer mehr „Welt“ auf die Bühne. Aber von dieser ist sie nicht.

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