Mantegna und Bellini : Der Kupferstich war Mantegnas Instagram

Im Gegensatz zu Bellini nutzte Mantegna den Kupferstich als neue Technik zur Verbreitung seiner Bildideen und gewann damit auch Aufträge

Andrea Mantegna (und unbekannter Kupferstecher): Die Geißelung Christi mit dem Fliesenboden, um 1460-1468. Kupferstich
Andrea Mantegna (und unbekannter Kupferstecher): Die Geißelung Christi mit dem Fliesenboden, um 1460-1468. KupferstichFoto: © Staatliche Museen zu Berlin / Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders


Sie waren sich in vielem ähnlich, doch in einem unterschieden sich Andrea Mantegna aus Padua und der ältere Giovanni Bellini aus Venedig – die beiden Meister der Renaissance. Andrea Mantegna zeigte seit den 1470er Jahren großes Interesse an der noch relativ neuen Technik des Kupferstiches, während Giovanni Bellini sich mit Zeichnungen begnügte. Mantegna hatte sich den Ruf eines der führenden Grafiker Oberitaliens erworben – so lautet die gängige Lehrmeinung.

„Sarah Vowles vom British Museum und ich sind da anderer Meinung. Gerade weil die Kupferstiche, die man ihm zugeschrieben hat, von so erlesener Qualität sind, können sie nicht von ihm stammen, denn diese Technik erfordert viel Kraft und viel Geschick. Das kann eher ein Goldschmied, aber dafür hatte er keine Ausbildung“, sagt Dagmar Korbacher, Direktorin des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, die mit Sarah Vowles vom British Museum den Grafikteil der Ausstellung „Mantegna und Bellini“ kuratiert hat.

Mantegna habe als Hofmaler zudem keine Zeit gehabt, eine solche Ausbildung zu machen, sagt Korbacher. „Wir wissen aber, dass er einen Vertrag mit dem Goldschmied Gian Marco Cavalli geschlossen hat, in dem dieser bei einer Strafe von 100 Dukaten versprach, die Entwürfe und Platten niemandem zu zeigen und ohne Erlaubnis von Messer Andrea auch keinen der besagten Entwürfe von irgendjemandem kopieren zu lassen“. Das erkläre die hohe Qualität der sieben erhaltenen Kupferstiche, die bisher Mantegna zugeschrieben wurden. Aber Korbacher und Vowles sind ziemlich sicher, dass er nur die Zeichnungen geliefert hat, die Cavalli dann stechen musste.

"Wahrscheinlich hat Mantegna Cavalli über die Schulter geschaut"

Dafür spricht auch, dass sich der Kupferstich aus dem Handwerk der Goldschmiede entwickelt hat, die kunstvoll Waffen verziert hatten und daher in der Metallbearbeitung bewandert waren. „Wahrscheinlich hat er Cavalli über die Schulter geschaut und die Arbeit genau überwacht“, sagt Korbacher.

„Für Mantegna war der Kupferstich so etwas wie Instagram, er konnte seine Bildideen weltweit verbreiten, Follower an den Höfen generieren und so an neue Aufträge kommen“, sagt Korbacher. Außerdem sei seine Art des Zeichnens unter Einsatz von Schraffuren dieser Technik näher als Bellinis fließender Strich.

Dass Druckgrafik für die Rezeption bedeutend ist, unterstreicht die Kabinettausstellung „Mantegna und Goethe. Der Triumphzug Cäsars aus Weimarer Sicht“ im Kupferstichkabinett, in der der komplette Triumphzug auf den Chiraoscuro-Holzschnitten von Andrea Andreani zu sehen ist, die dieser später gefertigt hat. Goethe besaß diese Werke und schätzte Mantegna als Künstler.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!