Marek Janowski bei den Philharmonikern : Stimmen, die gen Himmel streben

Das Intime und das Feierliche: Marek Janowski gastiert zum zweiten Mal bei den Philharmonikern.

Meister der Konzentration. Marek Janowski.
Meister der Konzentration. Marek Janowski.

Alles ist Sanglichkeit. Ein weihevoller, ein breiter Stil in der Symphonik Anton Bruckners liegt dem Musiker Marek Janowski fern. Ohne falschem Pathos nachzugeben, strebt die wunderbare Streichermelodie im Adagio der Sechsten bei ihm zur Unendlichkeit.

Ein Meister der Konzentration steht vor den Berliner Philharmonikern, die seinen Tempovorstellungen mit selbstverständlicher Akkuratesse folgen. Denn dieses gemeinsame Musizieren vertieft den Eindruck, dass Janowskis Tempi immer die richtigen sind.

Janowski liegt die e-Moll am Herzen

Nachdem er das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin von 2002 bis 2016 als Chefdirigent zur Spitzenklasse entwickelt und gehegt hat, erwartet ihn nun in gleicher Position die zukunftweisende Arbeit mit der Dresdner Philharmonie. Als Gastdirigent der Berliner Philharmoniker wendet sich Janowski zum zweiten Mal Anton Bruckner zu, einem seiner Lebensthemen, diesmal mit einem reinen Bruckner-Abend.

Dass ihm die e-Moll-Messe am Herzen liegt, hat er in Berlin schon einmal gezeigt in einer Aufführung mit dem MDR-Chor Leipzig. Hier in diesem Konzert wird nun der fabulöse Rundfunkchor Berlin gefeiert, der – einstudiert von Gijs Leenaars – seinen heiklen achtstimmigen Part mit kontrastreicher Dynamik wahrnimmt. Das Werk orientiert sich an der Chorpolyfonie der Renaissance, gestützt auf ein kleines Orchester aus Holz- und Blechbläsern. Die Interpretation aber bekundet, dass neben der kirchlichen Bestimmung der Musik zur Einweihung einer Votivkapelle des Linzer Doms, ihrer archaischen Seite also, eine geheimnisvolle Ausdrucksmacht in ihr waltet. Hier hat die Dissonanz ihre alte Kraft. Aus dem Adagio des „Et incarnatus“ scheint Schubert zu grüßen.

Rauschklang des Orchesters

Von Gustav Mahler uraufgeführt, aber mit Kürzungen, ist die Sechste Bruckners erst nach dessen Tod an die Öffentlichkeit gelangt. Auch heute steht sie seltener auf den Programmen. An Janowskis Interpretation fasziniert die Stimmigkeit der Kantabilität. Wie organisch er die Übergänge zum zweiten Thema im Kopfsatz „bedeutend langsamer“ einleitet, wie die Melodie im Adagio aus dem Klangcharakter kommt, als ob sie zum Himmel streben wollte, welche Spannung er in der Langsamkeit vibrieren lässt, das adelt die Wiedergabe Janowskis mit den Philharmonikern auf uneitle Weise.

Dabei gestaltet er durchaus transparent den wagnerischen Rauschklang des Orchesters, aber auch die Schubert-Seligkeit der Geigen. Das Intime verbindet sich dem Feierlichen, wenn choralhaft die Fanfare ertönt. Janowskis Interpretation beleuchtet, dass alle Themen aus dem fließenden Klang geboren werden und in ihn eingebunden sind.

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