Martensteins Berlinale (3) : Warum sind die Darsteller so gut gefönt?

"Das schweigende Klassenzimmer" zeigt Zivilcourage und einen Fall, der sich tatsächlich ereignet hat. Guter Film, an sich. Aber warum sind alle so gut gefönt?

Ein Teil des Films "Das schweigende Klassenzimmer" wurde im Studio Babelsberg gedreht.
Ein Teil des Films "Das schweigende Klassenzimmer" wurde im Studio Babelsberg gedreht.Foto: Manfred Thomas

In Eisenhüttenstadt, ehemals Stalinstadt, ist vor ein paar Tagen schon wieder ein neuer Kinofilm abgedreht worden, der in der DDR der 50er Jahre spielt. Eisenhüttenstadt sieht halt so aus. Für Filmstädte gilt das Gleiche wie für Filmstars, du musst keine Schönheit sein, aber besonders. Ralf Zacher war das Eisenhüttenstadt unter den deutschen Schauspielern.

„Das schweigende Klassenzimmer“ ist der neue Film von Lars Kraume, der vorher „Der Staat gegen Fritz Bauer“ gemacht hat, über den jüdischen Staatsanwalt, der zumindest einige der Mörder von Auschwitz im Westen Deutschlands vor Gericht gebracht hat. Auch diesmal geht es um Zivilcourage und einen Fall, der sich tatsächlich ereignet hat.

1956 beschließt eine Abiturklasse, aus Solidarität mit den Opfern des ungarischen Volksaufstands im Unterricht eine Schweigeminute einzulegen. Der Staat schlägt hart zurück. Haupttäter ist der Bildungsminister. Er beschwört immer wieder den Widerstand gegen den Faschismus und zeigt in einer von Burghart Klaußner grandios gespielten Szene die Narben, die ihm von seiner Gestapohaft geblieben sind. Die Opfer und die Diskriminierten von gestern können die Täter und die Diskriminierer von heute sein, da gibt es leider genug historische Beispiele. Aber wehe, einer spricht es aus. Als ein Schüler die „Gestapomethoden“ der DDR-Behörde anklagt, ahnt man: Für diese Wahrheit rächen sie sich.

Warum sind die Darsteller alle so gut gefönt?

Guter Film, an sich. Aber warum sind die Darsteller alle so gut gefönt, warum gleiten ständig blankgeputzte Oldtimer durchs Bild? Eisenhüttenstadt ist super, das restliche Ambiente stimmt irgendwie nicht. Michael Gwisdek und Florian Lukas sind genau ihrem Image gemäß besetzt. Lukas als schwuler Bohemien und Gwisdek als opportunistischer Schuldirektor, umgekehrt also, das hätte eine Prise Überraschung in diese biedere Inszenierung gebracht. Ich dachte spontan: „Sieht wie ein Werbespot für Margarine aus, da hat garantiert das ZDF seine Finger im Spiel.“

Genau so isses.

Die Berlinale hat offiziell die Freilassung von Deniz Yücel begrüßt. Für die Freilassung von Yücel war wirklich fast jeder. Dass die Berlinale dazu eine Art Regierungserklärung abgibt, wirkt seltsam wichtigtuerisch. Ich hoffe doch sehr, dass sie dann auch mal ein bisschen ins Risiko gehen. Warum fordert die Berlinale nicht endlich mal, dass der Berliner Flughafen zeitnah eröffnet wird?

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