Martin Roth Symposium : Einladung zum Andersdenken

Kunst- und Kulturorte werden als Räume für gesellschaftliche und politische Debatten immer wichtiger - Gespräch zum zweiten Martin-Roth -Symposium

Kommt rein! Wie einladende Architektur gelingen kann, zeigt as Guggenheim-Museum Bilbao des US-Kanadiers Frank O. Gehry.
Kommt rein! Wie einladende Architektur gelingen kann, zeigt as Guggenheim-Museum Bilbao des US-Kanadiers Frank O. Gehry.Foto: Alamy Stock Photo

Was kann Kultur tun in Zeiten politischer Krisen? Wo kann sie verbinden, wo zur Diskussion anregen, und was müssen Kulturschaffende dafür tun? – „What can culture do?“ Mit dieser Frage war das erste Martin Roth Symposium überschrieben, das im Juni 2018 in Berlin stattfand. Organisiert hatten es das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes zu Ehren des im Jahr zuvor verstorbenen Museumsmachers. Der „bekennende Europäer und Weltbürger“ Martin Roth, wie ihn Frank- Walter Steinmeier auf dem Symposium nannte, war zehn Jahre Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, bevor er 2011 Direktor des Victoria and Albert Museums in London wurde – den Posten aber 2016 aus Protest gegen den Brexit aufgab und in seiner Heimatstadt Stuttgart das Ehrenamt des ifa-Präsidenten übernahm.

Roth war ein Brückenbauer, der früh die Bedeutung internationaler Netzwerke erkannte. „Er war ein Museumsmacher der anderen Art, der viel über das Museum des 21. Jahrhunderts nachdachte“, sagt Ronald Grätz, Generalsekretär des ifa. Museen sollen auch im Mittelpunkt des zweiten Martin Roth Symposiums stehen, das für Sommer 2020 geplant ist und den Arbeitstitel „Founding the new museum“ trägt. „Museen werden in Zukunft eine zentrale Funktion übernehmen“, ist Grätz überzeugt. „Sie sind unser kulturelles Gedächtnis, Treffpunkt, Bildungs- und Forschungsstätte und Ort für gesellschaftlichen und politischen Diskurs. Mit dieser Rolle müssen sie sich auseinandersetzen.“

Wie erreicht man ein Publikum jenseits des Bildungsbürgertums?

Wie man ein neues Publikum jenseits des Bildungsbürgertums erreicht, könnte eine der Fragen sein, die sich die internationalen Teilnehmer des kommenden Symposiums stellen. Dabei hat laut Grätz die Architektur eine zentrale Bedeutung. Spannend findet der ifa-Chef auch die Frage, wie man Kunst sinnvoll ausstellt. Dafür gebe es im Grunde drei Möglichkeiten, zählt er auf: permanente Sammlungen, temporäre Ausstellungen und Biennalen, von denen es weltweit mehr als 250 gibt. „Sie sind zentraler Diskursort für Kunst und präsentieren heute – mit Ausnahme von Venedig – kaum noch national, sondern zeigen Kunst im internationalen Kontext.“

Auch das ifa konzipiert eigene, im Ausland gezeigte Ausstellungen heute anders, sagt Grätz. „Kooperationen mit örtlichen Museen oder Künstlern gab es früher zwar auch. Heute gehen wir aber viel weiter: Wir machen Co-Kreationen.“ Bereits im Vorfeld würden internationale Kuratorinnen und Kuratoren, etwa aus Afrika, Südosteuropa oder Südamerika eingeladen, die von den ästhetischen und politischen Strömungen in ihrer Heimat berichten. Ausstellungsprojekte entstünden dann auf Basis dieses Dialogs. „Das ist viel aufwendiger, viel teurer, aber auch viel glaubwürdiger.“

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