Martin Walser und die Frauen : "Ich war eine Episode"

Schlüsselromane, Porträts, Literatur: Vor dem neuen Roman von Martin Walser kommt erst noch der seiner Ex-Co-Autorin Thekla Chabbi. Er heißt: "Ein Geständnis"

Martin Walser und die Sinologin Thekla Chabbi 2016 nach einer gemeinsamen Lesung
Martin Walser und die Sinologin Thekla Chabbi 2016 nach einer gemeinsamen LesungFoto: imago/Rudolf Gigler

Neulich war an dieser Stelle ja die Rede von Martin Walser, der unermüdlich gar alles veröffentlichen lässt, kaum dass er es geschrieben und korrigiert hat, wie eben das jetzt schon wieder Ende März von ihm erscheinende Buch „Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebte“. Und als wäre das doch noch nicht gar alles, dieser Titel womöglich ein sprechender, gar korrespondierender, erscheint nächste Woche auch ein Debütroman von der Frau, mit der Walser vor zwei Jahren seinen Roman „Ein sterbender Mann“ geschrieben hat: „Ein Geständnis“ von Thekla Chabbi.

Dieser Roman sei „ein zum (leeren) Himmel schreiender Liebesroman, ein abgründig leuchtender Kriminalroman, ein erstaunlich konkreter Wirtschaftsroman“, so hat es Walser „Ein Geständnis“ als Blurb auf den potenziellen Erfolgsweg mitgegeben. Natürlich könnte man beim Blick in den leeren Himmel oder auch woandershin auf den Gedanken kommen, es hier mit einem Schlüsselroman zu tun zu haben. Man muss das aber nicht, die Inhaltsangabe gibt das kaum her. Am Ende, ach, klar, sowieso, zählt allein die literarische Qualität, die „beeindruckende sprachliche Genauigkeit“, der „psychologische Feinsinn“, mit der Chabbi laut Verlag zu Werke gegangen sein soll.

Von der Literaturwissenschaftlerin Susanne Klingenstein gab es das Buch "Wege mit Martin Walser"

Auffallend ist, dass Frauen, denen Walser so begegnet, selbst irgendwann beginnen, Bücher oder Romane zu schreiben. Wie die Journalistin Martina Zöllner, deren 2003 erschienener Debütroman „Bleibtreu“ inzwischen als Schlüsselroman gilt. Er erzählt die Geschichte der Beziehung einer jungen Frau zu einem berühmten älteren Philosophen, „der irgendwie an Walser erinnerte“, wie der „Spiegel“ 2016 im Vorspann eines Gesprächs mit Walser und Thekla Chabbi nicht zu erwähnen vergaß.

Auch die Literaturwissenschaftlerin Susanne Klingenstein, die Walser erst mit dem jiddischen Dichter Abramovitsh bekannt gemacht hat, schien nicht anders zu können, als ein Buch über ihn zu schreiben. Nicht verschlüsselt fiktiv, sondern als Sachbuch, als Walser-Porträt, „Wege mit Martin Walser“. Sachlich ist dieses Buch passagenweise schon, aber da ist auch mal von der „Virilität“ des Schriftstellers bewundernd die Rede, von der Enttäuschung, als dieser sich abwendet: „Ich war nichts gewesen. Und ich würde nie etwas sein. Ich war eine Episode.“

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