Max Hollein : Höher geht’s nicht

Max Hollein, der auch als Intendant für das Berliner Humboldt-Forum im Gespräch war, wird Chef des Metropolitan Museums in New York. Welche Herausforderungen warten auf ihn?

Max Hollein
Max HolleinFoto: dpa/Frank Rumpenhorst

Weit entfernt sind die USA, doch mit dieser Nachricht rückten sie ganz nahe. Max Hollein, bislang Museumsdirektor in San Francisco, übernimmt Anfang August den vakanten Direktorenposten beim New Yorker Metropolitan Museum of Art. Hollein war einer derjenigen, dessen Name beim Rätselraten um den Intendanten des Berliner Humboldt-Forums immer wieder genannt worden war. Nun ist diese Spekulation zwar weitgehend verstummt, seit mit Hartmut Dorgerloh ein offizieller Kandidat ausgesucht worden ist. Aber ganz mochte man sich von dem Gedanken noch nicht verabschieden, es könnte der Mann aus dem sehr fernen San Francisco doch noch an die Spree wechseln.

Stattdessen geht Max Hollein von der West- an die Ostküste der USA, ein auch für die dortigen, weit mobileren Verhältnisse ungewöhnlicher Schritt. Er sagt viel über das Renommee des 48-jährigen Museumsmanagers mit Abschlüssen in Kunstgeschichte und Betriebswirtschaft, aber ebenso über die Probleme beim „Met“, wie das New Yorker Haus – ähnlich der Metropolitan Opera – von seinen zahllosen treuen Anhängern genannt wird. Seit über einem Jahr dümpelt das Met – neben Louvre, Eremitage und dem Verbund der Staatlichen Museen Berlin eines der ganz großen Universalmuseen der Welt – ohne offiziellen Direktor vor sich hin, während die Energie der Interims-Führung und des hochkarätig besetzten Aufsichtsrates von der Suche nach einem Nachfolger absorbiert wurde. Mit Hollein wurde jetzt, glaubt man den erleichtert jubelnden Pressemitteilungen aus New York, der Idealkandidat schlechthin gefunden, nachdem man in einem schier überbordenden Verfahren rund einhundert möglicher Kandidaten erwogen und geprüft hatte.

Großen Erfolg hatte er beim Frankfurter Städel

Höher hinauf geht’s nicht, das zumindest kann man über die Karriere des dreifachen Vaters Hollein schon jetzt sagen. Seine Sporen verdiente sich der junge Uni-Absolvent ab 1995 als Assistent des Museums-Diktators Thomas Krens am Guggenheim Museum in New York, wo Hollein alsbald in den Aufbau der Dependancen von Bilbao, Berlin und Las Vegas einbezogen war. 2001 wechselte er selbst an die Spitze – zunächst der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main, dann 2006 zusätzlich an die des dortigen, ehrwürdigen Städel-Museums samt dessen Ableger für Bildhauerei, dem Liebighaus. Viel Skepsis schlug dem damals 36-Jährigen entgegen, denn anders als die Schirn, die auf ein vorwiegend jüngeres Publikum und eher fetzige Ausstellungen setzt, ist das Städel der Hort des eingesessenen Großbürgertums und seines an höchster Qualität orientierten Geschmacks. Hollein meisterte den Spagat bravourös, verschaffte dem Städel einen immerhin zur Hälfte spendenfinanzierten Anbau und zeigte, dass man auch hierzulande bürgerschaftliches Engagement in amerikanischem Maßstab hervorlocken kann.

In kuratorische Belange griff Hollein, soweit bekannt, niemals ein, im Gegenteil ermöglichte er einem begnadeten Ausstellungsmacher wie dem Altmeister-Spezialisten Jochen Sander am Städel, eine Klassiker-Ausstellung nach der anderen auf die Beine zu stellen. Hollein hielt die Maschine unter Dampf, so sehr, dass Frankfurt in kurzer Zeit zur ersten Adresse für Wechselausstellungen klassischer wie aktueller Kunst in Deutschland wurde.

Irgendwann kam dann das Angebot aus San Francisco, wo es die Fine Arts Museums mit ihren beiden ehrwürdigen Häusern aus der Rolle des ewigen Zweiten zu holen galt, auch das gelang Hollein auf Anhieb. Derzeit zeigt das Museum eine Ausstellung „Kult der Maschine“ über die amerikanische Kunst der Zwischenkriegszeit, wie man sie bis dato nur im Osten der USA hatte sehen können. Der Wechsel nach New York nach nur zwei Jahren an der Golden Gate Bridge kommt abrupt, und aus San Francisco ist lautes Wehklagen vernehmlich. Doch „man kann das Met nicht abweisen, wenn es anklopft“, wie die Sprecherin des Museums seufzt.

In New York ist Hollein als Sanierer gefragt

Das Metropolitan Museum steckt seit Jahren in der Krise. Zwei Mal hintereinander war ein Millionendefizit zu verbuchen, der ehrgeizige Plan eines 600 Millionen Dollar teuren Anbaus für moderne und zeitgenössische Kunst musste vorerst gestoppt werden. Direktor Thomas Campell trat im Februar 2017 zurück, tief zerstritten mit einigen der Chefkuratoren der 17 Sammlungen und mit dem Aufsichtsrat. Der Präsident und Interimsdirektor, Daniel Weiss, erklärte jetzt zur Wahl Holleins, der gebürtige Wiener sei „herausragend qualifiziert“, zudem sei er „jemand von großer intellektueller Ernsthaftigkeit und ästhetischem Urteilsvermögen sowie, vielleicht am wichtigsten, von wirklicher Integrität“. Letzteres darf man als Anspielung auf die unschönen Zustände verstehen, unter denen Vorgänger Campbell weniger ging als gegangen wurde.

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In New York erwarten Hollein 2200 Mitarbeiter, ein Jahresetat von 305 Millionen Dollar und sieben Millionen Besucher. Zuletzt erregte das Met Unmut durch die Einführung von Eintrittsgeld für Nicht-New Yorker in Höhe von 25 Dollar, woran Hollein festhalten will. Zuallererst ist er als Sanierer gefragt. Generell steht eine Neupositionierung im Wettstreit mit den drei anderen Museumsgiganten New Yorks an, die alle bei der Gegenwartskunst tätig sind. Die traditionellen Abteilungen des Met fühlten sich vernachlässigt und verlangen eine langfristige Strategie. Mit 48 Jahren hat Hollein die Chance, dem legendären Philippe de Montebello zumindest nachzueifern: Der kam 1977 mit nur 41 Jahren und leitete das Met sagenhafte 31 Jahre lang.

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