Noch Generationen von Archäologen werden mit Uruk beschäftigt sein

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Megacity Uruk : Grundstein der Großstadt

Die Zahl der Arbeiter der in einer Stadt wie Uruk lebenden Menschen erforderte wohlüberlegte Vorratshaltung und Handel. Es sind Listen erhalten, Quittungen, die Rollsiegel dienten der Verschließung von (massenhaft hergestellten) Lebensmittelgefäßen. Erstmals wahrscheinlich haben Menschen in Uruk und anderen Städten Mesopotamiens mit städtischer Verwaltung, ja Bürokratie zu tun gehabt. All dies sind moderne Begriffe, für die sich hier Parallelen finden. Wenig weiß man über die religiösen Praktiken, was im Tempel vor sich ging. Dafür sind äußere Rekonstruktionen gelungen, wie die geweihten Anlagen aufgeführt und verziert waren; mit einer Art Mosaik aus gefärbten Tonstiften.

Die Ausstellungsdesigner von „res d“ haben diese geometrischen Muster auf ein Megafoto der Skyline von Hongkong übertragen. Uruk ist Welterbe und sicher nicht vom Himmel gefallen. Auch darüber ist wenig oder nichts bekannt – was vorher war. Da bleiben die steinernen Urgestalten stumm. Aber auch damals schon wurde für die Nachwelt gebaut, es gab ein Bewusstsein vom Vergänglich-Unvergänglichen.

Grundsteinlisten gehören zu den kuriosesten und berührendsten Stücken aus Uruk, wie auch jener Grundsteinnagel, eine weibliche Gestalt aus Metall mit Schriftzeichen. Und der Besucher begreift: Ganz Uruk ist ein Grundstein, eine Grundstadt, eine Begründung. Wenn sich die politische Lage einmal beruhigt haben sollte, werden dort noch Generationen von Archäologen und Altertumswissenschaftlern beschäftigt sein.

„Uruk – 500 Jahre Megacity“. Vorderasiatisches Museum im Pergamon-Museum, bis 8. September. Info: www.uruk-megacity.de. Das umfangreiche, weiterführende Katalogbuch ist im Imhof Verlag erschienen, 400 Seiten mit 500 Abbildungen, und kostet 29,95 Euro.

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