Merowinger-Schau : Neuer Ansatz in "Beutekunst"-Debatte

Einzigartige archäologische Schau und politisches Experiment: Im Moskauer Puschkin-Museum wird am 12. März eine deutsch-russische Ausstellung über die Zeit der Merowinger eröffnet.

Moskau - Die Schau über die frühmittelalterliche Herrscherdynastie ist die erste Frucht eines neuen Ansatzes im Streit um die kriegsverschleppte "Beutekunst". Weil politische Verhandlungen über die Rückgabe der Kulturgüter feststecken, wird stärker auf die Kooperation deutscher und russischer Museumsfachleute gesetzt.

Das Puschkin-Museum und das Historische Museum in Moskau sowie die Eremitage in St. Petersburg tragen zu der 1200 Exponate zählenden Riesenausstellung eigene Schätze bei. Vor allem aber öffnen sie erstmals die Merowinger-Kisten aus dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte, die die sowjetische Besatzung nach Kriegsende 1945 nach Russland bringen ließ.

200 Leihgaben aus Deutschland

Berlin schickt aus seinen Beständen etwa 200 Leihgaben nach Moskau, so dass sich der Vorkriegs-Reichtum der Sammlung erstmals annähernd rekonstruieren lässt. "Wir wollen zeigen, dass die Sachen zusammengehören, die jetzt willkürlich auf vier Museen verteilt sind", sagt der Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, Professor Wilfried Menghin.

"Europa ohne Grenzen" ist der hoffnungsvolle Untertitel der Schau. Die Merowinger, das erste fränkische Herrschergeschlecht, geben den zeitlichen Rahmen vom 5. bis zum 8. Jahrhundert vor. "Das ist die Zeit der Formierung des neuen Europas auf den Ruinen des Römischen Reiches", sagt Wladimir Tolstikow, der Kurator der Schau im Puschkin-Museum.

Völkerwanderung und Hunnensturm

Die Kooperation ist immer noch nicht einfach. Die Merowinger-Schau hatte einen mehrjährigen Vorlauf. Menghin beobachtet auch, dass die russischen Museumsdirektoren zunehmend wieder unter politischen Druck geraten. Doch er hofft, dass das Puschkin-Museum nach dem "Schatz des Priamos" 1996 und jetzt den Merowinger-Funden irgendwann auch den bronzezeitlichen Goldschatz von Eberswalde aus den Geheimlagern holen wird. Tolstikow erwartet von der Vertrauensbildung der Experten viel: "In der Zusammenarbeit können Entscheidungen heranreifen, auch für die Politik, von denen wir heute noch keine Ahnung haben." (Von Friedemann Kohler, dpa)

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