„Metamorphosen“ des Apuleius : Armer Esel, geiler Bock

Der einzige vollständig erhaltene lateinische Roman der Antike erscheint in der bewährten Übersetzung August Rodes in der Anderen Bibliothek: Die „Metamorphosen“ des Apuleius.

Tobias Schwartz
Zwar nicht gold, aber trotzdem ansehnlich: Drei Esel in Stahnsdorf.
Zwar nicht gold, aber trotzdem ansehnlich: Drei Esel in Stahnsdorf.Foto: Andreas Klaer

Merke auf, es wird zu lachen geben.“ Das verspricht der Erzähler in Apuleius’ „Metamorphosen oder Der goldene Esel“ gleich zu Beginn, und er verspricht nicht zu viel. Der einzige vollständig erhaltene lateinische Roman der Antike, der jetzt in der bewährten (und neu durchgesehenen) Übersetzung des Goethe-Zeitgenossen August Rode in der Anderen Bibliothek erscheint, ist ein durch und durch satirisch-humoristischer Text. Es geht um einen jungen Mann namens Lucius, der sich etwas zu sehr für Magie interessiert und prompt in einen Esel verwandelt wird. Als solcher wird er von Räubern entführt und misshandelt, aber auch von Wohltätern verwöhnt und von Frauen begehrt, wenn ihm nicht gerade Kastration oder Schlachtung drohen.

Die große Kunst des um 123 im Gebiet des heutigen Algeriens geborenen Schriftsteller-Philosophen Apuleius aber besteht darin, dass er die lineare Handlungsstruktur um den Protagonisten ständig unterwandert und ein abschweifendes, parodistisches und durchweg faszinierendes Vexierspiel betreibt, das an geistesverwandte Autoren wie Laurence Sterne, Jan Potocki, Jean Paul, Thomas Mann oder heute Thomas Pynchon erinnert. Ironisch ist bereits das Attribut „golden“. Es verweist auf das „goldene Zeitalter“. Einen Esel golden zu nennen, ist ein Widerspruch in sich. Noch in Shakespeares „Sommernachtstraum“ dient die Verwandlung des Webers Zettel in einen Esel der Karikatur und Bloßstellung.

Schon die Antike hatte viel übrig fürs Explizite, wenn sich in den „Metamorphosen“ etwa eine Frau von Lucius in Eselsform begatten lässt – wie beispielsweise auch in der „Liebeskunst“ Ovids. Von Ovid hat Apuleius denn auch seinen ursprünglichen Titel. Der Zusatz „Der goldene Esel“ ist erst durch Augustinus überliefert. Apuleius’ Erzählung vom „Ehebrecher im Fass“ wird später von Boccaccio aufgegriffen. Die wohl berühmteste Binnengeschichte der „Metamorphosen“ ist aber das Märchen von „Amor und Psyche“, das seit der Renaissance vielfach rezipiert wurde. Über solche „Umwege“ ist Apuleius’ Roman längst ins kulturelle Gedächtnis eingegangen.

Apuleius: Metamorphosen oder Der goldne Esel. Aus d. Lat. von August Rode, durchgesehen von Stefan Stirnemann. Andere Bibliothek, Berlin 2018. 420 S., 42 €.

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