MeToo-Vorwürfe gegen Opernstar : Plácido Domingo verlässt New Yorker Met

Einen Tag vor einem Auftritt zieht der Star-Tenor Konsequenzen aus den MeToo-Vorwürfen gegen ihn. Domingo weist sie zurück – und beklagt eine Vorverurteilung.

Nie wieder Met: Opernstar Plácido Domingo.
Nie wieder Met: Opernstar Plácido Domingo.Foto: Attila KISBENEDEK/AFP

Nachdem ihm mehrere Frauen sexuelle Belästigung vorgeworfen haben, hat Opernstar Plácido Domingo (78) einen Tag vor einem geplanten Auftritt die New Yorker Metropolitan Oper verlassen. Er habe bei der Opernleitung um Entbindung von seinen Pflichten gebeten und werde nicht mehr an der Met auftreten, teilte Domingo am Dienstagabend der „New York Times“ mit. Die Oper bestätigte seinen Rückzug.

„Ich weise die Anschuldigungen gegen mich entschieden zurück und mache mir Sorgen um ein Klima, in dem Menschen ohne angemessene Untersuchungen verurteilt werden, aber nach einigem Nachdenken glaube ich, dass mein Auftritt in der „Macbeth“-Inszenierung von der harten Arbeit meiner Kollegen auf und hinter der Bühne ablenken würde“, schrieb Domingo an die „New York Times“. Deswegen habe er um Entbindung von seinen vertraglichen Pflichten gebeten. „Und ich danke der Führung der Met, dass sie meine Bitte freundlicherweise akzeptiert haben.“

Domingo deutete an, dass er nicht mehr an die Met, die als eines der renommiertesten Opernhäuser der Welt gilt, zurückkehren werde. Die jüngste Kostümprobe zu „Macbeth“ sehe er als seinen „letzten Auftritt auf der Bühne der Met“ an, wo er mit 27 zum ersten Mal gestanden habe, sagte der spanische Opernsänger.

Am Mittwochabend hätte Domingo zum ersten Mal seit Bekanntwerden der Vorwürfe wieder in einer „Macbeth“-Vorführung auf der Met-Bühne stehen sollen. Schon im Vorfeld hatte es deswegen hinter den Kulissen viel Wirbel gegeben. Die Oper gab eine Mitteilung heraus, in der sie den Rückzug Domingos „von allen weiteren Aufführungen“ bestätigte. „Die Met und Herr Domingo stimmen darin überein, dass er abtreten musste.“

Mehrere Sängerinnen hatten Domingo im Zuge der „MeToo“-Bewegung gegen sexistisches und sexuell übergriffiges Verhalten einflussreicher Männer teils Jahrzehnte zurückliegende Übergriffe vorgeworfen. Einige Opern und Orchester sagten daraufhin Auftritte Domingos ab. Die Verleihung des Europäischen Kulturpreises in Bonn wurde auf den 3. Oktober 2020 verschoben.

Opern in Berlin und Wien halten an Domingo fest

Andere Häuser halten jedoch weiter an dem Sänger fest. Dazu gehört etwa die Berliner Staatsoper Unter den Linden, die zwei Abende mit Giuseppe Verdis "La Traviata" im Januar 2020 geplant hat. Daniel Barenboim, den Chefdirigenten der Lindenoper, verbindet eine lange Freundschaft mit Domingo. Auch die Wiener Staatsoper steht dem Star weiterhin offen, wie der Tagesspiegel Ende August auf Anfrage erfuhr. Dort soll Domingo im Oktober in der Titelrolle von Verdis "Macbeth" auftreten, ferner als "Nabucco" sowie als Dirigent von "La traviata" im Juni 2020.

Bei seinem ersten Auftritt nach Bekanntwerden der Vorwürfe war der Künstler vom Publikum der Salzburger Festspiele demonstrativ gefeiert worden. (Tsp, dpa)

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