Mozart-Sonaten im Pierre Boulez Saal : Atemberaubende Momente

Fast beängstigend perfekt: Renaud Capuçon und Kit Armstrong spielen Sonaten für Violine und Klavier von Mozart im Pierre Boulez Saal.

Renaud Capuçon
Renaud CapuçonFoto: dpa/Ian Langsdon

Strahlendes Frühsommerwetter kann eine zahlreiche Zuhörerschaft nicht davon abhalten, zur Sonntagsmatinee in den Pierre Boulez Saal zu strömen. Offensichtlich besitzen die Namen Renaud Capuçon und Kit Armstrong beträchtliche Zugkraft. Drinnen geht es sonnig weiter, auch wenn Jalousien den Saal in eine Art schummrige Black Box verwandeln: Sämtliche Sonaten für Violine und Klavier von Mozart hat das illustre Duo auf das Programm zweier Wochenenden gesetzt. Der Mozartsche Kosmos ist so auf ganz besondere Weise zu erleben, aus dem Blickwinkel einer zunächst unbekümmerten Jugendlichkeit, die im Streben nach einer unabhängigen Position als Komponist zur frühen Meisterschaft führt.

Beides strahlen die zwei Musiker in hohem Maße selbst aus. Fast beängstigend perfekt steigen sie ins zweite Programm der Serie ein, mit der C-Dur-Sonate KV 303. Nach inniger, jedoch unprätentiös genommener Adagio-Einleitung sprudeln Dreiklangsfiguren, flitzen Sechzehntelläufe in virtuoser Leichtigkeit. Armstrong am Klavier nimmt sich als „Begleiter“ naturgemäß ins Piano zurück, kann aber auch bei Steigerungen oder thematisch bedeutsamen Abschnitten mit leuchtkräftigem Anschlag bis hin zu orchestraler Fülle aufwarten – schöner Gegensatz zum straff und ein wenig streng musizierenden Geiger. Aber auch von ihm erhält das anschließende Menuett schelmisch-deftige Akzente, immer mehr blitzt Mozarts Humor durch, mit dem sich die Künstler immer lockerer, liebenswürdiger profilieren. Der vorgeblich „einfache“ Mozart, dem sie alle Finessen ihres immensen technischen Könnens angedeihen lassen, macht ihnen Spaß, keine Frage.

Klavierfiguren von bezaubernden Einfallsreichtum

Das gilt besonders für das späte F-Dur- Werk KV 547, eine „kleine klavier Sonate – für Anfänger mit einer Violin“, so Mozart 1788 in seinem „Verzeichnüß“. Da waren die großen Bühnenwerke, „Figaro“ oder „Don Giovanni“, bereits komponiert, hatte Mozart sich als Virtuose von der Violine ab- und dem Klavier ganz zugewandt. Bestürzend fast, welchen Charme hier einfachste Motive entwickeln können, was Armstrong im „Andante cantabile“ mit augenzwinkernden Vorschlägen und Trillern unterstreicht. Zwischen Früh- und Spätwerk erhebt sich als Solitär Mozarts einzige Moll-Sonate dieser Besetzung, die e-Moll-Preziose KV 304. Sie wurde 1778 in Paris vollendet, wo seine Mutter erkrankte und starb. In Form und Ausdruck bildet sie eine vollendete Einheit und wird streng, schnörkellos und unsentimental musiziert, eher elegant als elegisch. Ein atemberaubender Moment, wenn die Repetitionen der Durchführung plötzlich als harte Klavierakkorde bei Wiedereintritt des Hauptthemas auftauchen.

In welch andere Welt führt die beschließende B-Dur-Sonate KV 378, in makelloser Diktion zumal der sprechenden Violine. Die glitzernden Klavierfiguren könnte man „glatt“ nennen, und doch sind sie von bezauberndem Einfallsreichtum! Fast nahtlos schließt sich nach hartnäckigem Beifall die Zugabe an, das vor guter Laune sprühende Rondo aus der Sonate C-Dur KV 296.

Nächste Termine: Samstag 12.5, 19 Uhr und Sonntag 13.5., 11 Uhr, Boulez Saal

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