Musikfestivals in der Krise : Festivals fordern in offenem Brief mehr Unterstützung

In Philharmonien, Scheunen und unter freiem Himmel: Fast alle Musikfestivals müssen derzeit abgesagt werden. Nun schlagen die Veranstalter Alarm.

Eine kleine Nachtmusik. 2019 wurden die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci auf dem Alten Markt eröffnet.
Eine kleine Nachtmusik. 2019 wurden die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci auf dem Alten Markt eröffnet.Foto: Manfred Thomas/Tsp

Rund 600 Musikfestivals gibt es alleine in Deutschland, nicht nur in den Großstädten, sondern auch in der Provinz und in ländlichen Gebieten. Die meisten von ihnen finden wegen Corona dieses Jahr nicht statt oder denken über Verschiebung nach - bloß auf welchen Termin?

40 Festivals haben sich nun für einen offenen Brief zusammengetan, der unter anderem an Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Ministerpräsidenten der Länder gerichtet ist. Zu den Erstunterzeichnern gehören die Leiter und Leiterinnen des Schleswig Holstein Musik Festivals, des Klavier-Festivals Ruhr, der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci, des BachfestsLeipzig, das Würzburger Mozartfests und der Händel-Festspiele in Halle.

"Wer jetzt Festivals und Künstler sterben lässt, wird morgen mit kulturell verwaisten Landstrichen bestraft," schreiben sie in ihrem Positionspapier, im Namen aller Musikfestivals, und betonen, dass diese mit ihrer internationalen Ausstrahlung auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind . Der Gesamtumsatz belaufe sich auf jährlich etwa 400 Millionen Euro, dazu komme eine vielfache Wertschöpfung.

Die Festivals fordern von der Politik unter anderem eine "klare Sprache in den Verfügungen", einheitliche Regelungen, Planungssicherheit und eine größere Differenzierung angesichts der Vielzahl der Institutionen und Veranstalter. Es könne nicht sein, "dass Festivalmacher*innen mit der Entscheidung zur Absage allein gelassen werden und sich in nicht zu beziffernde Haftungsrisiken begeben".

Kultur müsse mit Sport, Religionsgemeinschaften und Wirtschaft gleichbehandelt werden. Wie andere Veranstalter auch könnten Festivals ebenfalls Hygiene- und Abstandsregeln umsetzen und mit variablen Besetzungen sowie der kreativen Entwicklung anderer Formate Alternativen zu Großveranstaltungen anbieten.

Weiter machen die Intendantinnen und Intendanten darauf aufmerksam, dass vielerorts Verhandlungen über öffentliche Mittel für 2021 anstehen. Sie fordern "eine möglichst pauschale Ansetzung und Bewilligung der durchschnittlichen Zuwendungen der vergangenen drei Festivalausgaben". Außerdem müsse bei der Förderung das Prinzip der Gleichbehandlung gelten: "Es darf kein Wettrennen um Rettungsfonds geben", nach der Devise "first come, first serve".

Die Schäden tragen vor allem die freiberuflichen Künstlerinnen und Künstler

Die Unterzeichner, zu denen auch die Kammeroper Köln, das SPAM-Festival - Spandau macht Alte Musik und die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zählen, machen nicht zuletzt darauf aufmerksam, dass die Schäden aktuell vor allem zu Lasten der freiberuflichen Künstlerinnen und Künstler gehen. Ausfallhonorare und bei der Vorbereitung angefallene Spesen sollten gezahlt werden. Dies müsse möglich sein, ohne dass die Festivals Gefahr gehen, wegen Zahlung ohne das Erbringen der vereinbarten Leistung ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren.

Was die finanzielle Lage der Festivals selber betrifft, wird in dem Brief unter anderem die Übertragbarkeit bereits eingenommener Mittel auf das Folgejahr gefordert. Auch gemeinnützige Träger müssten Rücklagen bilden dürfen. Erwartet wird eine solidarische Lastenteilung für die Verantwortlichen mit Ländern, Kommunen, dem Bund, Spendern und Sponsoren.
Das gesamte Papier lässt sich hier auf Facebook nachlesen. chp

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