Katharine Mehrling spielt die Eliza chamäleonhaft schillernd

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"My Fair Lady" an der Komischen Oper : Die Stimme ihres Herrn
Eliza Doolittle (Katherine Mehrling) nach ihrer Verwandlung.
Eliza Doolittle (Katherine Mehrling) nach ihrer Verwandlung.Foto: Iko Freese(drama-berlin.de

Mehr als ein Sessel wird zur Grammophon-Ansammlung nicht hinzukommen. Und mehr braucht Andreas Homoki auch nicht, um mit seinen Singschauspielern eine pointensichere, von perfekt getimten Dialogen getragene Show hinzulegen. Die von David Cavelius vorbereiteten Chorsolisten sorgen nicht nur in den A-cappella-Passagen für Gänsehautmomente, sondern tollen mit dem knuffigen Alfred P. Doolittle von Jens Larsen auch so ausgelassen über die Bühne, feiern Gin und Sinnlichkeit in den von Arturo Gama putzig choreografierten Revue-Nummern, geben also ein so nettes Proletenvölkchen ab, dass man sie sich gleich für den täglichen Weg zur Arbeit ausleihen möchte: als morgenmuffelfreie Trottoirtruppe, als angenehme Mitreisende in Bahn und Bus.

Bis in die Gestik hinein erinnert Max Hopps Higgins an Professor Börne aus dem Münster-„Tatort“: Wie er den egozentrischen Besserwisser gibt, den standesbewussten Akademiker, wie er seine Unverfrorenheiten raushaut, peng, peng, arrogant und widerwärtig gegen jedermann und vor allem jede Frau, das scheint haarklein bei Jan Josef Liefers abgeschaut. Ebenso virtuos wie dem Kollegen gelingt es Max Hopp allerdings auch, seiner Figur eine Restsympathie des Publikums zu sichern. Everybody’s Darling aber ist natürlich Katharine Mehrling, eine Granate als Gossengöre, zart und zerbrechlich wie weiland Audrey Hepburn in der Ballnacht, umflossen von schwarzem Glitzerstoff, die Einzige mit Mumm zwischen all den männlichen Würstchen im Finale. Dass aus ihrem Gesang immer wieder überraschende Edith-Piaf-Töne herausleuchten, mit rollendem R und kleinen Chanson-Schluchzern veredelt, macht ihre chamäleonhaft schillernde Eliza nur noch charmanter.

Dirigentin Kristiina Poska tendiert zu schleppenden Tempi

Während Christoph Späth einen diskreten Oberst Pickering gibt, wertet Susanne Häusler die Rolle der Mrs. Higgins deutlich auf: Wie unkonventionell diese Mutter denkt, zeigt sich nicht allein daran, dass sie in Männerkleidern auftritt – auch in Tonfall und Gestik manifestiert sich der freie Geist dieser modernen Dame. Viel Applaus kann am Premierenabend der strahlende Freddy von Johannes Dunz einheimsen, angemessen ölig spielt Zoltan Fekete den Phonetik-Detektiv Karpathy, Contenance in allen Lebenslagen wahrt Christiane Oertel, Vorsteherin der Higgins’schen Dienerschaft.

Nur orchestral will es am Samstag nicht recht funken, immer wieder müssen die Solisten ihre zu schleppenden Tempi tendierende Dirigentin Kristiina Poska antreiben. Fast scheint die estnische Maestra mit dem Genre zu fremdeln. Aber sie wird sich schon noch vom heiteren Treiben auf der Bühne mitreißen lassen. Produktionen, die zur Premiere szenisch so auf den Punkt gearbeitet sind, tendieren ja dazu, mit zunehmender Spielroutine immer besser – weil lässiger – zu werden.

Wieder am 5., 9., 15., 27. u. 31. Dezember

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