Nach der Neueinrichtung : Das MoMA präsentiert sich als Medienhaus

Das erweiterte und neu eingerichtete Museum of Modern Art zeigt sich mit neuem Konzept. In Berliner Institutionen wäre ein ähnlicher Ansatz wünschenswert.

Wiedereröffnet. Im MoMA begrüßt „Hello Again“ von Haim Steinbach die Besucherinnen und Besucher.
Wiedereröffnet. Im MoMA begrüßt „Hello Again“ von Haim Steinbach die Besucherinnen und Besucher.Foto: picture alliance/Christina Horsten/dpa

Raum 502 ist der frühen Fotografie und Filmkunst gewidmet: Eine U-Bahn fährt in der New Yorker Subway von der 14. zur 42. Straße, aufgenommen von der „American Mutoscope and Biograph Company“ anno 1905. Großes Kino mit Sogwirkung. Ein paar Schritte weiter, und man steht vor Picassos „Demoiselles d'Avignon“ aus dem Jahr 1907, der Definition der modernen Malerei.

So geht es Schlag auf Schlag im erweiterten und neu eingerichteten Museum of Modern Art. Auf das Bauhaus folgen Monets schon ins Abstrakte verschwimmende späte Seerosen - man reibt sich die Augen, aber es sind dieselben Jahre, Monet starb 1926. Nebenan flimmern Szenen aus Walter Ruttmanns „Sinfonie einer Großstadt“ auf der Wand.

Keine Hierarchie der Künste

Das MoMA in New York präsentiert sich als Medienhaus, mischt die Visionen und Innovationen des 20. Jahrhunderts, endlich. Das Konzept ist nicht neu, das machen auch andere Museen. Aber hier wird es gründlich durchgezogen. Und die Dauerausstellung ist keine mehr, sie soll jetzt alle sechs Monate rotieren, mit wechselnden Werken.

Wenn der Maler Robert Rauschenberg Bühnenbilder für Merce Cunninghams Choreografien entworfen hat und John Cage die Musik dazu schrieb, dann kann man das jetzt im MoMA sehen und hören. Es gibt dort keine Hierarchie der Künste. Skulptur und Malerei, Film und Tanz, Design und Architektur gehören sichtbar und sinnlich zusammen, und dazu kommen die Dichter. Der Tag ist nicht lang genug, um all das zu genießen und zu begreifen.

Was beim New-York-Besuch jetzt ins Auge fällt, ist die Verbindung nach Berlin. Das MoMA, 1929 eröffnet, beruft sich ja auf seine deutsche Tradition, wie sein Direktor Glenn Lowry kürzlich im Tagesspiegel schrieb. In einigen Räumen ist es geradezu eine vergrößerte Berlinische Galerie. „Da kannst du was lernen“, sagt Mackie Messer in Brechts „Dreigroschenoper“.

Für Berliner Institutionen wünscht man sich dringend einen ähnlich souveränen Umgang mit den eigenen Kräften und Möglichkeiten. Wo sonst - außer in Paris - bildeten die Künste ein derart explosives Gemisch wie in Berlin zu jener Zeit, die wir als Zwanzigerjahre feiern und fürchten.

Natürlich ist jeder Vergleich zu heute Unsinn. Aber wenn man über Ausstellungskonzepte nachdenkt und ein neues Museum baut, kann Maßstab nur das MoMA sein. Das gilt schon für den Hamburger Bahnhof und dann einmal für das Museum des 20. Jahrhunderts. So ein Haus muss vibrieren. Kunst ist kein Ruhekissen. Und neue Medien gab es immer schon.

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