Nach Heiligabend ins Kino? : Das sind die Weihnachtsfilme 2019

„Star Wars“, „Cats“ oder eine Satire? Der klassische Weihnachtfilm macht sich rar. Dafür gibt's besonders viel Musik im Kino, pünktlich zu den Feiertagen.

Michelle Yeoh und Emilia Clarke (r.) in „Last Christmas“, der einzigen klassischen Weihnachtsromanze in diesem Jahr.
Michelle Yeoh und Emilia Clarke (r.) in „Last Christmas“, der einzigen klassischen Weihnachtsromanze in diesem Jahr.Foto: Universal Studios

George Michael, John Williams oder Andrew Lloyd Webber? Wenn irgendwann am 26. Dezember keine Braten mehr gerochen und keine Plätzchen mehr verspeist werden können und jeder dringend mal raus muss, wird das Kinoprogramm studiert. Gehört ja irgendwie auch zur Weihnachtstradition.

Viele Deutsche gehen einmal im Jahr in die Kirche, Heiligabend nämlich. Ins Kino gehen die Bundesbürger auch nicht viel öfter, im Schnitt 1,27 Mal pro Saison. Was haben Kinos und Kirchen gemeinsam ? Sie sind voll zwischen den Jahren.

2019 ist reichlich Musik im Angebot. In „Last Christmas“, diesmal die einzige klassische Weihnachtsromanze – Santa Claus und Tannenzweig-Look sind exakt zum Fest offenbar out: Der Film läuft seit November – spielt der Song von George Michael eine wichtige Rolle. Erst letztes Jahr war der Wham!-Titel von 1984 mit dem 130. Chartswiedereinstieg zum erfolgreichsten Weihnachtshit aller Zeiten aufgestiegen. Emilia Clarke spielt eine aus der Bahn geworfene Londonerin, die im Elfenkostüm im Weihnachtsshop jobbt – Lovestory und Brexitkritik inklusive.

Achtung, Ohrwurm-Gefahr!

Wer den Megahit-Titel wegen Ohrwurmgefahr jedoch eher scheut und am liebsten sämtliche Weihnachtsmelodien aus dem Kopf kriegen möchte, für den könnte die Verfilmung des Lloyd-Webber-Musicals „Cats“ das Richtige sein. Die US-Sänger Jason Derulo, Taylor Swift und Jennifer Hudson, Ex-Bond-Chefin Judi Dench, Idris Elba, Ian McKellen und viele mehr im Katzenkostüm: Die Leinwandadaption des Oscar-prämierten Regisseurs Tom Hooper versammelt Stars für jede Generation.

Womit wir bei „Star Wars IX“ wären, dem ultimativen Familien- und Väter-Söhne-Enkel-Film. „Der Aufstieg Skywalkers“ ist in diesen kühlen Wochen der am heißesten erwartete Filmstart (am 19.12.). Laut Trailer gehorcht das große Finale der Sternenkrieger-Saga nicht nur dem strapazierten Slogan „Möge die Macht mit dir sein“, sondern auch dem Familienfestmotto „Du bist nicht allein“.

Rey (Daisy Ridley) mit Chewbacca, C-3PO und Co. im Kampf gegen die Sith, der Widerstand gegen die Erste Ordnung, das allerletzte Gefecht: Viel mehr wird von Disney nicht über J. J. Abrams Sequel verraten. Die Fans und Trailer-Exegeten wissen jedoch bereits, dass Carrie Fisher posthum in ihrer Rolle der Leia Organa auftritt, unter Verwendung nicht genutzter Szenen aus den Teilen VII und VIII. Und dass mit dem Imperator das ultimative Böse zurückkehrt. Wie bitte, zu Weihnachten?

Oder lieber Horror, als Kontrastprogramm?

Wer es noch böser möchte und ein Kontrastprogramm zu den besinnlichen Tagen braucht, kann es mit dem Horror-Remake „Black Christmas“ versuchen (seit Donnerstag im Kino). Der Killer geht wieder um auf dem Campus und jagt Studentinnen, die über die Feiertage im Wohnheim geblieben sind. Das Original stammt von 1974. Oder wie wär’s mit Jesus als Knallcharge, in der Satire „Holy Spirit“ (19. Dezember). Whisky statt Weihwasser: In dem Film steigt ein Schreinersohn als Jesus-Darsteller zum Medienstar auf – und fällt umso tiefer.

Spaß beiseite, es gibt auch ernsthaftere Filmkunst zum Fest. Exakt in der Feiertagswoche starten neben Caroline Links Verfilmung des Weltbestsellers „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ gleich zwei Produktionen, die auf dem Festival in Cannes gefeiert wurden.

Bruno Dumonts „Jeannette“ über die Kindheit Jeanne d’Arcs wartet „mit atemberaubend naturalistisch gefilmten Gesangseinlagen zwischen Teeniepop und Deathmetal“ auf, wie der Kollege Andreas Busche bei der Weltpremiere in Cannes 2017 schrieb. Und „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao“, ein politisch hochaktuelles Fünfzigerjahre-Melodram aus Brasilien, gewann dieses Jahr den Hauptpreis der Reihe „Un certain regard“. Der in Berlin lebende Regisseur Karim Aïnouz hatte 2018 auf der Berlinale seine Tempelhof-Dokumentation „Zentralflughafen THF“ über Geflüchtete in den Hangars gezeigt.

Und wie steht’s um Kino-Events zu Heiligabend? In Berlin kein Problem: Das Filmtheater am Friedrichshain lädt zur Heiligen Sneak Preview Nacht, das International zeigt das neue Biopic über „Judy“ Garland (noch mehr Musik!) mit Renée Zellweger und den Krimi „Knives Out – Ein Mord zum Dessert“ mit Daniel Craig und Jamie Lee Curtis. Sekt und Fingerfood inklusive. Beide Filme starten erst am 2. Januar. Sneak Preview, keine schlechte Idee zur Geburt Christi. Auch das Kind in der Krippe hatte sein Leben noch vor sich.

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