Nachfolge an der Bayerischen Staatsoper : Die Zweiten werden die Besten sein

Die Bayerische Staatsoper würde offenbar gern Vladimir Jurowski oder Serge Dorny engagieren.

Vladimir Jurowski, Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.
Vladimir Jurowski, Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.Foto: Bettina Stöß

Sie waren so sicher gewesen, dass es klappen würde mit ihren beiden Favoriten für die Nachfolge von Nikolaus Bachler und Kirill Petrenko an der Bayerischen Staatsoper: Nun aber haben sowohl Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin, als auch der Musikchef des Royal Opera House Covent Garden, Antonio Pappano, München einen Korb gegeben. Keiner von beiden will sich ab Herbst 2021 fest an München binden.

Im Fall von Kosky lässt sich der Entschluss durchaus nachvollziehen. Weil er sich in erster Linie als Regisseur begreift und den Leitungsposten an der Komischen Oper nur aus Liebe zu diesem einmaligen Haus übernommen hat, wie er gerade erst im Tagesspiegel-Interview bekräftigt hat. Ob er sich überhaupt mit dem speziellen Münchner Opernbetrieb hätte anfreunden können, war sowieso fraglich. Denn der ist ebenso stark vom Starrummel geprägt wie vom Repräsentationsbedürfnis des Publikums.

Im Fall von Antonio Pappano aber kam die Absage auch für die bayerischen Feuilletonisten überraschend. Noch vor zehn Tagen hatte die „Süddeutsche Zeitung“ eine große Opernreportage aus London gedruckt, in der fest davon ausgegangen wurde, dass Maestro Pappano seine Taktstock-Taten bald an der Isar vollbringen werde.

Jurowski hat auch einen Vertag beim London Philharmonic Orchestra

Der „Münchner Merkur“ war nun die erste Zeitung, die das Szenario einer zweitbesten Lösung vorstellte. Wobei die Kandidaten kaum minder prominent sind. Zum einen Serge Dorny, der höchst erfolgreiche Intendant der Opéra de Lyon, die bei der jährlichen Kritiker-Umfrage der Fachzeitschrift „Opernwelt“ jüngst zum „Opernhaus des Jahres“ gewählt wurde. Damit wurde vor allem Dornys vielfältiger, mutiger Spielplan gewürdigt sowie seine Fähigkeit, das Musiktheater mit allen Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten der Stadt zu vernetzen. Und zum anderen Vladimir Jurowski, der frisch bestellte neue Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Toni Schmid, der Strippenzieher im bayerischen Kunstministerium, bestätigte der SZ auf Nachfrage, dass es Gespräche mit beiden Künstlern gebe.

Gerade im Fall von Vladimir Jurowski werden viele Berliner Klassikfans die News aus München nicht gerne vernehmen. Doch mit einem übereilten Abgang des Künstlers, dessen Familie in Berlin lebt, ist nicht zu rechnen. Eher wird er seinen zweiten Job aufgeben, den beim London Philharmonic Orchestra. Dort hat er einen Vertrag bis 2020, sodass er 2021 gut an der Bayerischen Staatsoper einsteigen könnte.

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Die Personalie Jurowski ist eher Grund zum Schmunzeln: Denn schon wieder versucht München einen Maestro abzugreifen, der in Berlin zu Ruhm gelangt ist. Bei Christian Thielemann war das so, der von der Deutschen Oper Berlin zu den Münchner Philharmonikern wechselte, beim DSO-Chef Kent Nagano, der an die Bayerische Staatsoper geholte wurde, und auch bei Naganos Nachfolger Kirill Petrenko, der sich seine ersten Meriten an der Komischen Oper verdient hatte. Zumindest letzteren bekommt die Hauptstadt ja bald zurück: als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker.

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