Nachruf auf US-Rapper : XXXTentacion stirbt bei Drive-By-Shooting

Mit seinem Album "?" eroberte XXXTentacion im März 2018 den ersten Platz der US-Charts. Seine Songs erstrahlten in funkelnder Kaputtheit. Ein Nachruf.

Christian Schröder
XXXTentacion bei einem Auftritt im Mai 2017 in Fort Lauderdale.
XXXTentacion bei einem Auftritt im Mai 2017 in Fort Lauderdale.Foto: imago/MediaPunch

Der amerikanische Rapper XXXTentacion ist bei einem Drive-by-Shooting ums Leben gekommen. Er war am Montagnachmittag in Florida beim Verlassen eines Motorradladens von zwei Tätern aus einem Auto heraus niedergeschossen worden und starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Der Musiker mit dem bürgerlichen Namen Jahseh Dwayne Onfroy, der 1998 in einer Vorstadt von Miami geboren wurde, entstammte der so genannten Soundcloud-Szene. Bei dem Online-Musikdienst hatte er 2014 sein erstes Stück veröffentlicht, den Durchbruch schaffte er 2016 mit dem Song „Look At Me!“, einem düster schnarrenden Anti-Liebeslied voller Sexismen und Gewaltfantasien. Von seinem Debütalbum „17“ wurden 2017 innerhalb der ersten Woche 86000 Exemplare verkauft. Der Nachfolger „?“, der im März 2018 herauskam, sprang aus dem Stand auf den ersten Platz der Billboard-Charts. XXXTentacion konnte es sich leisten, einen Sechs-Millionen-Dollar-Vertrag mit der Plattenfirma Universal schon nach sechs Tagen wieder aufzukündigen.

Talent für Ohrwürmer

Die Songs auf dem Fragezeichen-Album tragen traurig-alarmistische Titel wie „Sad“, „Alone, Part 3“ oder „Going Down!“, musikalisch erstrahlen sie in einer funkelnden Kaputtheit. XXXTentacion wechselte souverän zwischen den Genres und besaß die Gabe, Ohrwürmer schreiben zu können. Sein nöhlig-schläftiger Gesang brachte ihm Vergleiche mit dem kanadischen Rapper Drake ein, dem König der schleppend-verlangsamten Trap Music. XXXTentacion benutzte Elemente von R’n’B, House und Heavy Metal, seine skizzenhaften Stücke erinnern an Folk-Improvisationen.

Jahseh Dwayne Onfroy, der hauptsächlich bei seiner Großmutter aufwuchs, flog aus seinem Schulchor, weil er sich mit Mitschülern geprügelt hatte. 2014 saß er ein Jahr lang in einer Haftanstalt für Jugendliche, 2016 wurde er erneut festgenommen und gegen Kaution freigelassen. Dem jungen Mann, auf dessen Hals ein tätowierter Elefantenkopf prangte, wurden Freiheitsberaubung, Zeugenmanipulation und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, begangen an seiner Ex-Freundin. Sein Erfolgsalbum „?“ nahm er innerhalb von sechs Monaten in seiner Villa auf, in der er unter Hausarrest stand.

Glück für die Kids

„Wenn ich sterbe oder jemals zum Opfer werde, möchte ich dafür gesorgt haben, dass mein Leben mindestens fünf Millionen Kids glücklich gemacht hat“, sagt XXXTentacion in einem Video, das er bei Instagram postete. „Sie sollen in meinem Leben irgendeine Art von Antwort oder Lösung gefunden haben, ungeachtet allen Übels, das mir nachgesagt worden ist.“ Der Sänger wurde 20 Jahre alt.

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