Ein antiquiertes Frauenbild mit engen Röcken, Dekolletés und sehr hohen Absätzen

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Neue Initiativen : Was sich für Frauen im Filmgeschäft ändern sollte
Pro Quote: Jasmin Tabatabai
Pro Quote: Jasmin TabatabaiFoto: dpa/Bernd Settnik

Gleiche Chancen, gleiche Bezahlung, das ist das eine. Auch vor den Kulissen, in der Glamourzone muss sich etwas ändern, findet Anna Brüggemann. Auf dem roten Teppich sei die Gleichberechtigung noch nicht angekommen, schreibt die Schauspielerin. Ihr Appell „Nobody’s Doll“ wendet sich gegen den Druck, „der auf Frauen lastet, noch immer viel zu dünn, makellos und alterslos“ zu sein.“ Auf Festivals, Premieren und Galas herrsche ein antiquiertes Frauenbild, mit engen Röcken, Dekolletés und sehr hohen, dünnen Absätzen, während die Männer vesuchten „möglichst markant und nonchalant ihre Bodies zu präsentieren“.

Wer einmal den Unterschied zwischen einem Abend im schützenden Sakko und Sneakers oder leichtem Kleidchen und High Heels am eigenen Leib erlebt habe, wisse, wovon sie spreche, so die 36-Jährige. Zum Beispiel in Cannes. Als sich 2015 mehrere Frauen beklagten, ihnen sei wegen flacher Schuhe der Zugang zu Galavorstellungen verweigert worden, protestierte unter anderem die britische Schauspielerin Emily Blunt. „Wir sollten sowieso auf High Heels verzichten. Ehrlich gesagt sollte jeder flache Schuhe tragen,“ sagte Blunt in Cannes – und dass sie selber ohnehin Turnschuhe bevorzuge.

Festivaldirektor Thierry Frémaux glättete die Wogen. Nein, es gibt keinen High-Heels-Zwang in Cannes, höchstens Personal, das den Dresscode allzu strikt auslegte. „Vielleicht gab es einen kleinen Moment des Übereifers“, räumte Frémaux ein, „wir entschuldigen uns“. 2016 lief Julia Roberts dann demonstrativ barfuß die berühmten Stufen vor dem Festivalpalast hoch – allerdings auch mit sehr weit ausgeschnittenem Dekolleté.

Auch Männer haben unterschrieben

Anna Brüggemann gewann gemeinsam mit ihrem Bruder Dietrich auf der Berlinale 2014 einen Silber-Bären für das Drehbuch zu „Kreuzweg“. Als Schauspielerin wie Autorin hat sie sich mit Filmen wie „Zimmer, Küche, Bad“, und „Berlin am Meer“ sowie mit TV-Krimis und -Serien einen Namen gemacht. Ihr unter anderem von Lavinia Wilson, Franziska Weisz, Anneke Kim Sarau, Katharina Wackernagel, den Regisseurinnen Barbara Albert und Jasmila Zbanic sowie der PR-Agentin Heike-Melba Fendel und der Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus unterzeichneter Aufruf spart nicht mir Selbstkritik: „Wir Frauen tun nach wie vor Dinge, die unbequem für uns sind, unpraktische Dinge, von denen wir glauben, dass wir sie machen müssen, um dem unsichtbaren Dritten zu gefallen“. Und dieser sei nach wie vor ein Mann.

Auch Männer haben unterschrieben, die Regisseure Dietrich Brüggemann, Sven Taddicken, Jakob und Tom Lass. Anna Brüggemann legt auch Wert darauf, dass die ungeschriebenen Regeln bei Glamour-Events auch die Männer beeinträchtigen, sie will die Filmszene nicht spalten, schon gar nicht die Frauen. Sie fordert keinen Glamourverzicht, auch nicht, dass sich alle in Sack und Asche hüllen. Es gehe vielmehr darum, die „eigene Schönheit zum Leuchten zu bringen und sie nicht durch reale oder eingebildete Zwänge einzukerkern“.

Brüggemann wünscht sich Vielfalt auf den Berlinale-Teppichen, Untertreibung, Übertreibung – und dass sich alle die Freiheit nehmen, die sie meinen. Was ja immer mehr vorkommt. Bei der Globes-Gala trugen die Stars schwarze Galaroben, als Zeichen des Protests und Werbung für die Initiative „Time’s Up“. Brüggemann: „Attraktiv ist, was eine Frau macht. Nicht was man mit ihr machen kann.“

Nina Kronjäger hat von „Nobody’s Doll“ noch nichts gehört, Jasmin Tabatabai schon. Klar, könne man auch über das Äußerliche am Frauenbild arbeiten, nickt sie. „In Schwarz über rote Teppiche zu laufen, ist okay.“ Sie interessiere sich aber für etwas anderes. „Ich will in die Strukturen hinein, um das System zu ändern. Und das geht nur über ein politisches Instrument wie die Quote.“

Auf der Berlinale sind beide Initiativen präsent, „Nobody’s Doll“ auf dem Teppich und mit Buttons. Und ProQuote lädt mangels Finanzierung zwar nicht mehr ins Bubble-Zelt am Potsdamer Platz, aber zum Panel. Am 20.2. um 11 Uhr in der Akademie der Künste am Pariser Platz.

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