Neue Installation vor der Dresdner Frauenkirche : Demo-Kunst

Nach den aufgestellten Bussen und einem "Denkmal für einen permanenten Neuanfang" zeigt der Berliner Künstler Sven Sauer auf dem Neumarkt eine Foto-Installation

Nicola Kuhn
Eingefroren. Die Installation „Kami“ mit Fotos Protestierender.
Eingefroren. Die Installation „Kami“ mit Fotos Protestierender.Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Nach der umstrittenen Präsentation von drei senkrecht aufragenden Bussen vor der Dresdner Frauenkirche im vergangenen Jahr war am Wochenende das nächste Projekt an dieser prominenten Adresse als Kunst im öffentlichen Raum zu sehen: fünf lebensgroße Fotos von Demonstranten, die hinter nebeligen Schichten wie eingefroren scheinen. Der Entwurf stammt von dem Berliner Künstler Sven Sauer, den Sound lieferte der Dresdner Klangkünstler Bony Stoev dazu – jeweils in den Abendstunden zwischen 18 und 22 Uhr. Zusammen mit aufsteigendem Bodennebel, der effektvoll einer rundum aufgebauten Barrikade aus Autoreifen entwich, wurde das Ganze vor allem zum spektakulären Erlebnis.

Zu Gegendemonstrationen kam es diesmal nicht, zumindest an den ersten beiden Abenden. Das war bei bei Manaf Halbounis Bus-Installation anders gewesen, und auch beim Nachfolgeprojekt im April 2017. Bei der Einweihung eines „Denkmal für einen permanenten Neuanfang“ hatten damals 300 Demonstranten mit Trillerpfeifen und Zwischenrufen wie „Schämt euch!“ die Rede von Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch gestört.

In Berlin war Halbounis Werk im Rahmen des Herbstsalons vom Maxim Gorki Theater später vollkommen unbehelligt vor dem Brandenburger Tor gezeigt worden. Während der syrisch-deutsche Künstler an den Bürgerkrieg in Syrien erinnern und zugleich ein Mahnmal für den Frieden setzen wollte, geht es dem Künstler des aktuellen Werks um keine politische Botschaft, wie er betont.

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Gleichwohl besitzt auch Sauers Werk Reizpotenzial, lässt sich doch eine Verbindung zu den Pegida-Demonstrationen und deren Gegenkundgebungen ziehen. Die Aufnahmen der Demonstranten entstanden jedoch als Pressebilder bei Protesten in Kairo, Istanbul, Nantes und Hongkong. Sein Werk beschäftige sich vielmehr mit der Verselbständigung medialer Bilder, so Sauer. Durch das Herausgreifen einzelnen Protagonisten seien sie zu Ikonen geworden. Um zu den Figuren wiederum Distanz herzustellen, hat der Berliner Künstler die Gesichter mit Masken des japanischen Theaters versehen. „Kami“, so der Titel der Installation, kommt aus dem Japanischen und steht für „Geister“ oder „Götter“. (mit dpa)

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