Neue Show im Chamäleon : Elvis auf dem Mond

Zirzensisches Märchen aus Tschechien: „Memories of Fools“ im Chamäleon Theater handelt von einem Jungen, der Astronaut werden will.

Silbrige Poesie. Zwei Artisten in der Schwerelosigkeit.
Silbrige Poesie. Zwei Artisten in der Schwerelosigkeit.Foto: Jakub Jelen

Das ist mal eine vorausschauende Programmplanung. Die Varietéshow zum doppelten Jubiläumsjahr sozusagen. Im Juli jährt sich zum 50. Mal die Landung der Apollo 11-Crew auf dem Mond. Und die Wiedereröffnung des Chamäleon Theaters in den Hackeschen Höfen als Spielstätte für Neuen Zirkus im Jahr 2004 liegt auch schon wieder 15 Jahre zurück. Ein Ereignis, dass dort in den nächsten Monaten ausgiebig gefeiert wird. Den Auftakt macht eine flotte Produktion des tschechischen Cirk La Putyka, dessen Compagnie bereits mit „Finale“ und „Roots“ dort zu sehen war.

Die am Premierenabend fleißig beklatschte Show „Memories of Fools“ ist ein zirzensisches Mondmärchen, das von einem Jungen handelt, der sich nichts sehnlicher wünscht, als Astronaut zu werden. Entsprechend infantil fallen die Fantastereien des mondsüchtigen Träumers aus. Auf der durch ein großes „Moon“-Schild kenntlich gemachten Oberfläche des Erdtrabanten begegnen ihm sein lebendig gewordener Stoffhase, die zu Trapez- und Seil-Akrobaten mutierten Eltern, der von aller Erden-Gebrechlichkeit befreite Opa und ein erklärungsbedürftiges Figurentrio, das aus einem Mozart- und Elvis-Verschnitt, sowie einem Torero besteht. Da wird’s dann endgültig gaga. Wobei man ja schon seit Linckes „Frau Luna“ weiß, dass sich auf dem Mond nicht nur Gesteine, sondern auch wunderliche Wesen ballen.

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In diesem Fall werden sie von allerlei artistischen Darbietungen wie Jonglage, Cyr Wheel (eine Art Rhönrad), Handstandakrobatik und einer dollen Schleuderbrett-Nummer flankiert. Das direkt aus dem Handel für alte Baustoffe stammende Bühnenbild wirft Fragen auf. Besteht es doch aus unzähligen hölzernen Fensterrahmen, die als „Bühne auf der Bühne“ einen meist als Projektionsfläche bespielten Riesenrahmen einkasteln.

Die Magie, die die pantomimisch dargestellte Schwerelosigkeit und die mit dicken Nabelschnüren bewehrten Weltraumanzüge verströmen, ist ein Pfund der von Rostislav Novák inszenierten Show. Wenn nur Geschichte und Akrobatik-Nummern nicht so grob zusammengetackert wären. Und der atmosphärische Weltraumfunk-Sound nicht so oft von dröhnendem Allerweltspop plattgemacht würde. Dann, ja dann könnte in der 90-minütigen Show mehr von der silbrigen Poesie entstehen, die den Beginn der zweiten Hälfte prägt. Da simulieren zwei schwarz gekleidete Pantomimen mit einfachsten Mitteln – einer Astronauten-Puppe, einer Papprakete sowie Talkumpuder – einen hinreißend putzigen Start zum Mond.

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