Neues Bildungszentrum im Haus Bastian : Außen cool, innen wunderbar

Exquisites Ambiente: Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz eröffnet im Haus Bastian, gegenüber der Museumsinsel, ihr Bildungszentrum.

Haus Bastian (l.), von der James-Simon-Galerie aus gesehen.
Haus Bastian (l.), von der James-Simon-Galerie aus gesehen.Foto: dpa/Christoph Soeder

Fast hätte die schicke Chaise in mattiertem Pink den Staatlichen Museen die Schau gestohlen. Vor dem Haus Bastian beginnt ein Fotoshooting für das neue Elektromodell eines bayerischen Autoherstellers just in dem Moment, als das Zentrum für kulturelle Bildung der Presse vorgestellt werden soll. Statt sich drinnen umzugucken, schauen die Journalisten erst einmal durch das große Fenster nach draußen auf die Straße, um das futuristische Gefährt zu begutachten.

Die coole Architektur David Chipperfields ist aber auch eine tolle Kulisse für Werbekampagnen. Und noch viel mehr. Elf Jahre lang war sie ein Galeriehaus, erbaut für den Sammler Heiner Bastian und seine Familie, lange unterhielt die Galerie Contemporary Fine Arts darin ihre Ausstellungsräume. Ab 1. September dient das Haus als Weiterbildungszentrum für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ein kompletter Aufgabenwandel, der sich mit der offenen Struktur, den über fünf Meter hohen Wänden besser als gedacht vereinbaren lässt.

Für die Staatlichen Museen ist es ein großer Tag, betont Generaldirektor Michael Eissenhauer. Mit dem Haus Bastian bekommt die Museumsinsel eine weitere Adresse. Zusammen mit der als Besucherzentrum im Juli eröffneten James-Simon-Galerie bildet das Haus Bastian fortan ein „Willkommensportal“. Beide entwarf Chipperfield, beide sind Funktionsbauten für das Publikum.

Hier findet Bildungsarbeit nicht im Kellergeschoss statt

Dass Berlin mit dem Haus Bastian eine eigene Immobilie für die Bildungsarbeit besitze, mache ihn besonders stolz, fügt Thorsten Strauß hinzu, der Vorsitzende des Kuratoriums Preußischer Kulturbesitz und damit ein wichtiger Förderer des laufenden Programms. So etwas gebe es auf der ganzen Welt kein weiteres Mal. In den meisten Museen befinden sich die Räume für Bildungsarbeit im Kellergeschoss, in Berlin in so exquisitem Ambiente, dass sie den Hintergrund für die Werbung von Luxusmarken bilden.

Heike Kropff, die Abteilungsleiterin für Bildung und Kommunikation bei den Staatlichen Museen und damit neue Hausherrin, versteht diese Besonderheit als Herausforderung, das Zentrum international zum Vorbild zu machen. Zugleich reagiert sie mit solch ostentativem Dank auf Strauss’ Ankündigung, das Programm in den nächsten zehn Jahren zu unterstützen, dass man schon Probleme ahnt. Zwar beglückt alle die Location, die weitere Finanzierung aber scheint ungeklärt.

Offensichtlich ist die Finanzierung der laufenden Kosten noch wackelig

Ganz offensichtlich gehört das zu den Geburtswehen der neuen Adresse. Ursprünglich sollte das 2000 Quadratmeter große Gebäude schon 2016 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehen, den Ankauf wollte der schwäbische Schraubenfabrikant und Kunstsammler Reinhold Würth finanzieren. Kurz darauf informierte die Familie Bastian, dass sie selbst das Haus der Stiftung schenken wolle, um sich wenig später auch davon zu distanzieren. Zu guter Letzt machte sie ihr Versprechen doch noch wahr. Nur blieb die Finanzierung der laufenden Kosten, an denen sich Würth ursprünglich beteiligen wollte, offensichtlich wacklig.

[Haus Bastian, Am Kupfergraben 10. Eröffnungswochenende am 31. 8. mit der „Langen Nacht der Museen“ von 18 bis 22 Uhr und am 1. 9. mit einem Aktionstag für Kinder und Familien von 13 bis 17 Uhr.]

Der Start aber dürfte bravourös gelingen. Das Berliner Architekturbüro Raumlabor hat ein kleines Wunder bewirkt, die Grundrisse der Geschosse blieben unberührt. Das Büro arbeitet auf allen vier Etagen mit wiederkehrenden Modulen: einem riesigen Regal bis unter die Decke, einer Arena, einer sogenannten Wunderbox und Tischen, die immer wieder neu arrangiert werden können. Mit diesen Elementen brachte Raumlabor in die saalgroßen Räume einen „kindlichen Maßstab“, wie Frauke Gerstenberg es nennt. Die Schülerinnen vom Kunst-Leistungskurs des Thomas-Mann-Gymnasiums, die im Erdgeschoss mit Ton an einem langen Werktisch arbeiten, demonstrieren sogleich, wie gut das funktioniert.

Den Schülergruppen wird das Zentrum tagsüber gewidmet sein, den Erwachsenen abends, beiden Parteien am Wochenende. Neben diesem „public“ genannten Programmbereich mit Projekttagen, Workshops, Freizeitangeboten gibt es außerdem die Sektion „professional“, die sich mit Arbeitskreisen, Tagungen an Experten aus Bildung, Kunst und Politik richtet. Für sie ist vor allem das oberste Geschoss mit einer Bibliothek gedacht, deren Regale noch mit Fachliteratur und Arbeitsmaterialien anderer Museen gefüllt werden müssen. Die „Wunderbox“, auf deren Stellflächen im ersten Stock Overheadprojektoren und Diakarussells stehen, die Bilder aus den Sammlungen an die Wand werfen, kann im vierten Stock unter anderem in eine Bar umgewandelt werden. Und wem nach all der Bildung ein Drink zur Entspannung nicht reicht, der kann auf die Terrasse treten, wo ihm Berlin und die Museumsinsel zu Füßen liegen.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!