Newsletter BERLINER - KUNST : Wer kann's am besten?

Comics von Mazen Kerbaj, Kunst mit Kostüm, Sinnlichkeit mal anders und ein DJ-Battle. Unsere Ausstellungstipps für die nächsten 14 Tage.

Birgit Rieger
In den KW Institute for Contemporary Art zu sehen: Kris Lemsalu, Keys Open Doors, 2018.
In den KW Institute for Contemporary Art zu sehen: Kris Lemsalu, Keys Open Doors, 2018.Foto: Courtesy die Künstlerin / the artist, Temnikova & Kasela

Dieses Wochenende stehen ein paar tolle Eröffnungen an, es gibt Comics, ein Konzeptkunststar aus Dubai wird gefeiert – und im Hamburger Bahnhof wollen die Künstler-Bruderpaare Lippok und Nicolai herausfinden, wer besser auflegt. Ob man sich beim Tanzen nahe kommt oder lieber zu Hause bleibt, muss natürlich jeder selbst entscheiden.

Ein paar Einblicke, wie die Coronakrise auch die Kunstwelt beeinflusst, und noch mehr aus den Museen, Ateliers und Projekträumen der Stadt gibt es in unserem Newsletter BERLINER - Kunst. Hier kostenlos bestellen.

Kunst der Improvisation

Mazen Kerbaj ist Trompeter und liebt Peter Brötzmann und die Freie Musik aus Berlin. Er führt aber auch gekonnt den Farbstift übers Papier und erzählt in expressiven Comics von seinem Leben im Libanon und Berlin, seiner Wahlheimat. In der ifa Galerie sind dicht an dicht neue und ältere Comics des Zeichners zu sehen, die schon mal von bemalten Servietten in Videos überspringen.

Parallel dazu gibt es eine Konzertreihe, zu der Kerbaj befreundete Musiker und je einen Überraschungsgast einlädt. Interessant ist es auch, zuzuhören, wenn Kerbaj über seine Arbeit spricht.

Künstlergespräch Freitag 28. Februar, 16 Uhr. Ausstellung bis 17. Mai. ifa-Galerie Berlin, Linienstraße 139/140, Mitte.

Love Song Sing-Along

Am Freitagabend eröffnen in den KW gleich zwei tolle Ausstellungen: zum einen wird Hassan Sharif (1951 -2016), Konzeptkunstpionier des Nahen und Mittleren Ostens, gefeiert. Anlass ist eine große Retrospektive mit 150 Arbeiten Sharifs. Der Fürsprecher für eine experimentelle, nicht elitäre Kunst, konfrontierte die Künstler*innenszene im Emirat Schardscha in den 1980er Jahren erstmals mit Konzeptkunst und Fluxus.

Die Ausstellung zeigt unter anderem Karikaturen und Comics, in denen Sharif ironisch die schnelle Industrialisierung der Arabischen Emirate und auch schon Themen wie Globalisierung kommentierte.

Außerdem eröffnet eine Ausstellung mit der hippen Künstlerin und Performerin Kris Lemsalu Malone und ihrem Partner Kyp Malone Lemsalu. Die beiden modeverrückten Künstler verwandeln den Ausstellungsraum in eine Fantasiewelt mit Skulpturen, Musik und Performance, in der sie selbst als Adam und Eva sowie ein Schwan, ein Hase, ein Jaguar und ein altes Tretboot eine Rolle spielen.

Ihre Performance zur Eröffnung von „Love-Song Sing Along“ findet um 20.30 Uhr statt.

Eröffnung: Freitag, 28. Februar 20, 19 Uhr. Bis 3. Mai, KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, Mitte.

Camp und das Leben

Wer an Karneval zu viele liebliche Elfen und durchgestylte Ritter gesehen hat, begebe sich am Samstag in die Galerie Bortolozzi – für ein Purgatorium der besonderen Art. Leila Hekmat, eine Meisterin des Camp-Kostüms, stellt ihre Produktion „Crocopazzo!“ vor.

In den bisherigen Experimental-Theaterstücken der in Berlin lebenden Amerikanerin trugen die Schauspieler*innen gepolsterte Hintern, beigefarbene Hängebäuche, Zwangsjacke und orangefarbene Haare. Mal sehen, wie Hekmat das nun weiterentwickelt hat. Schiefe Zähne könnten eine Rolle spielen.

Eröffnung, Samstag 29. Februar, 18 - 21 Uhr, bis 4. April, Galerie Isabella Bortolozzi, Schöneberger Ufer 61, Tiergarten.

DJ-Battle im Hamburger Bahnhof

Zwei Künstler-Brüderpaare, Robert & Ronald Lippok sowie Carsten & Olaf Nicolai treffen sich zum DJ-Battle. Mit dabei: 4 Plattenspieler, 2 Mischpulte, 1 Dancefloor, 1 Jury, 1 Preis. Es geht um die Frage: Wer legt besser auf? Wer bringt die Leute mehr in Stimmung? Das Ganze gibt es zur Feier von 20 Jahre „Musikwerke Bildender Künstler“.

Sa 29. Februar, 21 - 00.30 Uhr. Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50/51, Mitte.

Sehnsucht in Schloss Biesdorf

Philosophen und indische Gurus empfehlen es sehr: das Jetzt. Als Raum für Glück und Selbstfindung. Aber wann genau ist „Jetzt“? Ist der Moment, in dem wir nach dem Jetzt fragen, nicht bereits verflossen und alle künftigen Jetzte Zukunft?

In Schloss Biesdorf zeigen in der Ausstellung „Sehnsucht nach dem Jetzt“ 17 überwiegend Berliner Künstler*innen, wie sie die Gegenwart visuell einfangen. Mit dabei ist Andreas Kempe, der beobachtet, wie ein Baum umfällt, die tollen Spiegelarbeiten der von Sinta Werner und Bilder vom werdenden Humboldt Forum von Rebecca Ann Tess. Ein schöner Ausflug nach Marzahn! 

Schloss Biesdorf, Alt-Biesdorf 55, bis 10. Mai, Mi - Mo 10 - 18 Uhr, Fr 12 - 21 Uhr.

Frauen in Verbindung

Die Fotografin Yumna Al-Arashi, in London beheimatet, findet: Die Darstellung von Frauen muss sich dringend ändern. Authentisch, sinnlich, selbstbewusst will sie sie sehen – und fängt bei sich selbst an. Auch im „Playboy" waren ihre nackten Selbstporträts schon veröffentlicht (große Ausnahme: meist fotografieren dort Männer).

Zum Internationalen Frauentag sind ihre Fotografien, nicht nur von sich selbst, sondern auch von und mit anderen Frauen, erstmals in Berlin zu sehen: in der Charlottenburger Galerie Anahita Contemporary. Check it out – Künstlerin und Galerie!

Eröffnung 6. März, 19 Uhr, bis 21. März, Anahita Contemporary, Schlüterstraße 14, Charlottenburg.

Fair share Demo

Und noch ein Termin für, von und mit Frauen. Frauen verdienen weniger, sind seltener Museumsdirektorin und in Ausstellungen unterrepräsentiert. Gender Pay Gap, Gender Show Gap – leider Realität! Mehrere Künstlerinnenorganisationen organisieren am Frauentag die Demo „Fair share“, für mehr Sichtbarkeit von Künstlerinnen; und zwar vor der Alten Nationalgalerie, wo an dem Tag die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit“ zu Ende geht.

Mit dabei sind unter anderem Künstlerinnen des Frauenmuseums Berlin. Es wird eine Art speaker's corner geben, Redner*innen aus der Kunstwelt wie Julia Voss von der „FAZ“ oder die Kuratorin Dorothee Bauerle-Willert werden sich in kurzen Impulsbeiträgen äußern. Mitstreiter*innen willkommen! 

So 8.3., 14 - 16 Uhr, vor der Alten Nationalgalerie, Museumsinsel, Bodestraße 1-3, Mitte.

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