Nik Nowak kritisiert Red Bull : Warnung vor Rechtspopulismus

Der Soundkünstler Nik Nowak kritisierte auf dem Red Bull Music Festival die Firmenpolitik des Getränkeherstellers. Jetzt rekapituliert er das Gespräch.

Nicola Kuhn
Die G.O.A.T. von Nik Nowak.
Die G.O.A.T. von Nik Nowak.Foto: Nik Nowak 2018 / Kurt-Kurt

Die letzten Akkorde, der finale Tusch der Red Bull Music Academy im Funkhaus an der Nalepastraße Mitte Oktober ist noch nicht lange verklungen, da klingelt es einen Monat später hinterher. Und das ist wörtlich zu verstehen. Aus dem Hinterzimmer des Projektraumes Kurt-Kurt in der Lübecker Straße 13 in Moabit bimmeln Kuhglocken, als befände man sich mitten in Berlin auf der österreichischen Alm. Das stimmt natürlich nicht. Schnöde Boxen hat der Berliner Soundkünstler Nik Nowak aufgestellt, um den Ausstellungsbesucher zumindest akustisch dorthin zu versetzen, wo die Welt in Ordnung scheint. Der weiß natürlich längst, dass das nur die halbe Wahrheit ist, denn im Vorraum hat Nowak noch größere Lautsprecher platziert, um ein Hörstück zu inszenieren, in dem er die Hauptrolle spielt (bis 8. 12.).

Ein Nachspiel also. Nowak war während des Musikfestivals im Funkhaus zu Gast beim Red Bull Radio, um live über seine Kunst zu sprechen. Als er darauf beharrte, dass er stattdessen lieber über die Firmenpolitik und rechtspopulistischen Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden Dietrich Mateschitz reden wolle, wurde das Interview unterbrochen. Der Ausstellungsbesucher hört also nun, wie Nowak längst „off“ immer wieder versucht, über den Zusammenhang von Kultursponsoring und Einflussnahme, die Unabhängigkeit der Musikszene und rechtsradikalen Äußerungen des Red Bull-Werbeträgers und Extremsportlers Felix Baumgärtner zu sprechen, während ihm die Moderatorin erklärt, dass das nicht geht.

Großzügigkeit hat ihren Preis

Der Künstler hat den Dialog aus dem Gedächtnis rekapituliert, wie er versichert. Der Sender, bei dem sein Hörstück spielt, trägt aus rechtlichen Gründen einen anderen Namen: nicht Red Bull, sondern „G.O.A.T.“ wie Ziege, was nicht von ungefähr an den Paarhufer im Firmenlogo des Brauseherstellers erinnert. Im Sport bedeutet G.O.A.T. übrigens „Greatest Of All Times“. Außerdem bezeichnet „goat“ einen Spieler, durch den das Match verloren geht.

Ja, Nik Nowak ist ein Spielverderber, auch wenn durch ihn das Unternehmen nichts verliert. Vielleicht ein bisschen gute Laune. Denn die Großzügigkeit, mit der Red Bull die zweifellos verdienstvolle Music Academy alimentiert, hat ihren Preis. Das wird nochmals klar. Einige Musiker sagten im Oktober ihrer Auftritte ab, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren, andere sahen umgekehrt im Boykott eine Gefährdung künftigen Sponsorings. Nik Nowak befindet sich mit seinem Hörspiel übrigens in bester Gesellschaft mit dem Namensgeber des Projektraums Kurt-Kurt. Es logiert im Geburtshaus des Journalisten und Schriftstellers Kurt Tucholsky, der in der Weimarer Republik vehement vor dem Erstarken der politischen Rechten warnte.

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