Nils Landgren bei Young Euro Classic : Es muss nicht immer Fusion sein

Viel Jazz, kaum Klassik: Der Posaunist Nils Landgren mit spielfreudigen jungen Musikerinnen und Musikern bei Young Euro Classic.

Elias Pietsch
Alle Jahre wieder. Nils Landgren bei Young Euro Classic.
Alle Jahre wieder. Nils Landgren bei Young Euro Classic.Foto: Kai Bienert / Mutesouvenir

Zwanzig Jahre hat das Young Euro Classic Festival schon auf dem Buckel, und bei so einer Geschichte entsteht natürlich auch die ein oder andere Tradition. Die Auftritte des Bundesjugendorchester zum Beispiel gehören dazu. Oder „Klassik meets Jazz“ mit Nils Landgren, ein Porgammpunkt des Festivals, den es jetzt auch schon zum sechsten Mal gibt. Allein die Interpretation der Festivalhymne des Ensembles um den schwedischen Posaunisten gibt die Richtung an diesem Donnerstagabend vor: Es swingt, es ist laut, und jeder Musiker und jede Musikerin darf mal ein Solo spielen.

Der Flow der Musik wird leider schnell durch eine nur mäßig lustige Einlage des Paten dieses Abends unterbrochen. Der Komiker und Jazzmusiker Helge Schneider grüßt zuerst von einer Videoleinwand und entschuldigt sich etwas lahm für sein Fehlen – und kommt dann natürlich doch auf die Bühne des Konzerthauses, um hier mitzutun.

Pop und R'n'B statt klassischer musik

Aber nun zum wichtigsten Teil, der Musik. Nils Landgren hat dieses Mal ein Ensemble aus Mitgliedern des südafrikanischen „MIAGI Youth Orchestra“ mitgebracht, das durch einige deutsche und skandinavische Musikerinnen komplettiert wird. Diese Kombination schlägt sich nicht nur in der Interpretation der Stücke nieder, sie hat auch direkten Einfluss auf das Programm. Stücke der vier südafrikanischen Bläser bilden fast die komplette erste Hälfte des Konzerts. „Flip“, ein Song des Altsaxofonisten Nhlanhla Daniel Mahlangu überzeugt mit funky Staccato-Bläserriffs und vor allem mit Mahlangus Spiel. Ein ums andere Mal bläst er sich die Seele förmlich aus dem Leib, sein Instrument heult und knarzt ganz wunderbar. Aber auch die Soli der anderen Bandmitglieder sprühen nur so vor Spielfreude. Immer wieder faszinierend dabei Sibusiso Leroles Penny Whistle, der seine Metallflöte so virtuos spielt, dass er es damit schon zur Abschlussveranstaltung der Fußball-Weltmeisterschaft in seinem Land geschafft hat.

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Bis auf eine kurze angejazzte Version von Nikolai Rimski-Korsakows Posaunenkonzert ist bisher keine Spur von Klassik herauszuhören. Stattdessen kommt mit der Sängerin Lira noch eine gehörige Portion Pop und R'n'B dazu. Die in ihrer südafrikanischen Heimat durchaus populäre Musikerin zieht mit ihrer starken Ausstrahlung das gesamte Konzert an sich und lässt es bis zum Schluss nicht los. Gesangsduetts mit Nils Landgren, Songs in gleich vier Sprachen und schließlich ihr größter Hit „Feel Good“ lassen einen das Fehlen der Klassik-Jazz-Fusion schnell vergessen.

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