• Nooteboom zum 80. Geburtstag: Niederländische Botschaft feiert den Dichter und Reisenden

"Berlin hat meinen Blick auf dieses Land verändert"

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Nooteboom zum 80. Geburtstag : Niederländische Botschaft feiert den Dichter und Reisenden

Ein Heimspiel war es für Cees Nooteboom, als er in der Niederländischen Botschaft aus seinem neuen Lyrikband "Licht überall" las. Insgesamt summieren sich seine Berlinaufenthalte auf drei Jahre - so hat es Joachim Sartorius ausgerechnet.
Ein Heimspiel war es für Cees Nooteboom, als er in der Niederländischen Botschaft aus seinem neuen Lyrikband "Licht überall" las....Foto: Katrin Konst

Berlin sei für ihn die wichtigste Erfahrung seines Lebens gewesen, bekannte Nooteboom. Als älterer Mensch finde man nicht leicht neue Freunde, hier habe er sie gefunden. „Berlin hat meinen Blick auf dieses Land verändert.“ Sartorius versuchte, ihm einen dritten Wohnsitz neben Amsterdam und Menorca schmackhaft zu machen, damit man ihn öfter erleben könne. „Vielleicht, wenn ich alt bin“, entgegnete Nooteboom. „So lange ich reisen kann, muss ich mich mit zwei Wohnungen abfinden. Außerdem bin ich doch jetzt hier.“

Und dann las er aus „Briefe an Poseidon“, Meditationen über das Alter. Wenn er ein Buch abgeschlossen habe, fühle er sich allein. Die Personen, die ihn so lange beschäftigt hätten, hätten ihn verlassen. Man warte dann auf den nächsten Einfall. Er habe damals in München im Februar – wie die Deutschen – eingehüllt in einer Decke auf einer Terrasse gesessen und Kurzgeschichten von Sandor Marai gelesen. „Das musst du auch mal wieder machen“, dachte er sich und bestellte ein Glas Champagner. Auf der Serviette des Restaurants stand „Poseidon“ – „so entsteht manchmal Literatur“, kommentierte Nooteboom seine Eingebung.

Schließlich las er noch einige wunderbare Gedichte aus dem neuen Band „Licht überall“, kleine Sprachkunstwerke über das Dichten und eine Hommage an seinen alten Freund und Weggefährten Hugo Claus, der angesichts einer Alzheimer-Diagnose für sich einen Ausweg fand. „Dieses Gedicht lese ich erst auf Niederländisch, damit meine Landsleute auch etwas davon haben“, sagte Nooteboom.

Er wird weiter reisen, so lange es geht. „Vermisse ich Amsterdam, wenn ich jetzt, weit weg bin? / Nein, Heimweh wirkt anders, es nimmt Gestalt an / von Büchern. Nicht mein Haus vermisse ich, nicht das Zimmer, / wohl aber das Buch in dem Zimmer, ich sehe die Ecke, / wo es steht unter der Zeichnung, die Hugo Claus / machte von Walter Benjamin“ heißt es in der ersten Strophe von „Heimweh“.

 

Die Veranstaltung kann ab Montag auf www.niederlandeweb.de

und auf facebook.com/botschaft.nl betrachtet werden.

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