„Nos défaites“ im Berlinale-Forum : Was uns die Vergangenheit sagen will

Akademische Spielerei: In Jean-Gabriel Périots Doku „Nos défaites“ spielen französische Jugendliche Filmdokumente nach.

Szene aus "Nos défaites"
Szene aus "Nos défaites"Foto: Envie de Tempête Productions / Berlinale

„Reprise“ heißt der großartige Dokumentarfilm, in dem Hervé LeRoux ein Filmdokument aus dem Jahr 1968 durch ausführliche Recherchen zu den Umständen seiner Entstehung zu neuem Leben erweckte. Die Arbeit lief 1996 im Forum der Berlinale. Jetzt ist dort mit Jean-Gabriel Périot ein anderer französischer Regisseur zu Gast, der den Faden zu „La reprise du travail aux usines Wonder“ (so hieß der Kurzfilm) wieder aufgenommen hat – und Szenen aus diesem und anderen Filmen der Zeit von Schülerinnen und Schülern einer französischen Oberschule nachspielen ließ. Zusätzlich werden die Jugendlichen aus dem Off zu den Einstellungen der von ihnen gespielten Figuren befragt.

Vermutlich haben sie aus der Auseinandersetzung mit den historischen Filmen etwas über Kino, Geschichte und Politik gelernt. Uns Zuschauern des Films gelingt das weniger. Dazu sind die Elemente zu disparat – und die Fixierung auf die mythischen Jahre um 1968 trägt wenig zum Verständnis aktueller politischer Kräfte bei. Auch sind die gezeigten Ausschnitte der „Nachdrehs“ viel zu kurz, um einen mehr als abstrakten Einstieg zu erlauben. Da war der biografische Ansatz, mit dem Claire Simon vor ein paar Jahren an der gleichen Schule gearbeitet hatte („Premières Solitudes“, Forum 2018) einleuchtender und produktiver. „Nos défaites“ bleibt eine akademische Spielerei, die zu den Umbrüchen Frankreichs erstaunlich wenig sagen kann.

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11.2., 20 Uhr (Silent Green), 17.2., 15 Uhr (Arsenal 1)

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