Facharbeiterjobs sind die wichtigsten Garanten nationalen Reichtums.

Seite 2 von 2
Obamas Wahlsieg : Ein Visionär geht, ein Versöhner kommt

Bill Clintons Vision von Amerika als der Denkzentrale der Welt, die „einfache“ Arbeit in andere Länder verlagert, hat sich nicht bewährt. Denken kann man auch in anderen Staaten, und Facharbeiterjobs in der Produktion sind überall einer der wichtigsten Garanten nationalen Reichtums. Die Amerikaner müssen wieder selbst produzieren. Das ist auch das Ziel der Obama-Administration.

Reaktionen auf Obamas Wahlsieg
Die radikalislamischen Taliban haben dem wiedergewählten US-Präsidenten Barack Obama empfohlen, sich statt auf Afghanistan lieber auf die Probleme zu Hause zu konzentrieren. Er solle die USA besser davon abhalten, „wie die Weltpolizei aufzutreten“, und seine Truppen so schnell wie möglich aus ihrem Land abziehen, teilten die Taliban mit. Sie drohten damit, weitere Soldaten zu töten. Das Bild zeigt Taliban im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan.Weitere Bilder anzeigen
1 von 26Foto: AP/dapd
07.11.2012 09:27Die radikalislamischen Taliban haben dem wiedergewählten US-Präsidenten Barack Obama empfohlen, sich statt auf Afghanistan lieber...

Die Republikaner haben auch zu wenig an die Frauen gedacht. Führende Parteimitglieder äußern sich über das weibliche Geschlecht, als hätten sie dessen Emanzipation nicht mitbekommen. Auch was Schwarze und Latinos betrifft, hängen sie Vorstellungen von einem Amerika an, das es längst nicht mehr gibt. Das Problem der Schwarzen sind die schlechten Schulen in den Armutsvierteln, die Inhaftierung großer Teile ihrer männlichen Jugend. Die legalen und illegalen Einwanderer aus Lateinamerika sind eine ehrgeizige und aufstrebende Minorität. Während sich die Republikaner mit antiquiert drakonischen Maßnahmen gegen ihre Immigration wehren wollen, gedenken die Demokraten, sie in die große multikulturelle US-Gesellschaft zu integrieren. Kein Wunder, dass die Latinos mehrheitlich für Obama gestimmt haben. Die Republikaner werden sich stark wandeln müssen, wenn sie noch einmal einen Kandidaten durchbekommen wollen. Der ökonomische Dilettantismus des Ronald Reagan, der Militarismus von Bush Jr., der Cheney-Imperialismus und Romneys Gerede vom Obama-Sozialismus „European style“ sind verbraucht.

Eine Herkulesarbeit steht Obama bevor. Das Repräsentantenhaus wird von Republikanern dominiert. Deren Sprecher will keine Steuererhöhungen. Die Millionäre und Milliardäre zahlen relativ aber viel weniger Steuern als die Angehörigen der Middle Class. Wir haben in Amerika inzwischen ein dysfunktionales politisches System, in dem die Elite sich nicht mehr zu gemeinsamen Werten bekennt. Die Republikaner sind eine Partei der Neinsager geworden, die ihre zweimalige Niederlage nicht verschmerzen kann. So ist das Land polarisiert wie zuletzt zur Zeit der Bürgerrechtsbewegung und des Vietnamkriegs. Ganz arm und superreich, Weiß und Schwarz, Unten und Oben, Menschen mit College-Bildung und ohne, Stadt und Land: Wo man hinschaut, sind die Fronten verhärtet.

Die USA müssen diese Fronten aber überwinden. Allein weitere Dürreperioden im Mittleren Westen, bisher die Kornkammer der Welt, weitere Sturmkatastrophen und Waldbrände können das Land in den Ruin führen. Kommen Kriege hinzu, wird aller Reichtum rasch verzehrt sein.

Vonnöten ist eine Bildungsrevolution. Die öffentlichen Schulen werden immer schlechter, und die guten Bildungseinrichtungen sind für den Durchschnitt der Bevölkerung nicht mehr zu bezahlen. Auch eine neue Energiepolitik sollte in einem Land, das alle Ressourcen dafür hat, möglich sein. Noch ist es reich genug, Reformen anzugehen. Obama kann man nur wünschen, dass er dafür nicht nur die Majorität der Bevölkerung, sondern auch die Mehrheiten im Kongress gewinnt.

Der Autor lehrt deutsche und vergleichende Literatur sowie Europastudien an der Washington University in St. Louis, Missouri.

Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!